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V.A.S. Es war vor gut zwanzig Jahren, als der V.A.S.* zum ersten Mal an die Öffentlichkeit trat, übrigens zugleich mit Ihrem geschätzten Organ, das er gleich als forum benutzen durfte. Wer hätte damals gedacht, dass die Lehrerausbildung an einer eigens dafür geschaffenen Universität den Südtirolern einmal so lieb, und vor allem so teuer werden würde? Damals war noch die Rede vom Trojanischen Pferd, mit dem man Mehrsprachigkeit und aufgeklärtes erzieherisches Gedankengut in die Alpenfestung schmuggeln wollte. Und heute sind Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Lande, die sonst immer nur die öffentliche Hand aufhalten, bereit, mit ihrem Privatvermögen für eine gediegene Ausbildung der Lehrpersonen und Erzieherinnen zu haften. Brixen ist eine kleine, verschlafene Stadt. Welcher renommierte Ordinarius, glaubt ihr, würde sich da um eine Stelle bewerben, wenn nicht der Aufenthalt mit einem weichen finanziellen Polster und mit möglichst vielen Hotelsternen dekoriert würde? Der langen Rede kurzer Sinn: Der V.A.S. ist positiv überrascht über die inzwischen eingetretene Entwicklung. Vor allem auch, weil dieser Erfolg möglich war, ohne dass grundlegende Prinzipien unseres Zusammen-, Verzeihung, Getrennt-lebens umgestoßen werden mussten. So haben die künftigen Italienischlehrkräfte weiterhin keinen Kontakt mit ihren deutschsprachigen Kolleginnen und lernen Deutsch in eigenen Kursen. Das ergibt natürlich ein viel besseres Deutsch und jeder Vermischung ist ein Riegel vorgeschoben. Die Ausbildung an dieser Universität ist inzwischen so gut, dass sie schon mit dem MIT (Massachusetts Institute of Technology) verglichen worden ist: zumindest was die Bewertung der Absolventen betrifft. Der erste Nobelpreis ist nur eine Frage der Zeit. Das ist zwar bisher nur eine interne Evaluation, aber sie lässt schon hoffen, dass zukünftige PISA-Studien in der Grundschule extrem hohe Ergebnisse auswerfen werden. Und was PISA für die Schule, das ist Bologna für die Universität. In der Hauptstadt der Emilia wurde die neue Studienordnung ausgeheckt, die zu dem geführt hat, was kürzlich "Bulimielernen" genannt worden ist. Haben Sie schon davon gehört? Ich hab auch nachschlagen müssen, um die Zusammenhänge zu verstehen, und hab gefunden, dass bulimiáo auf Griechisch so viel hieß wie "ich habe einen krankhaften Heißhunger". Auf das Lernen übertragen führt das dazu, dass die Leute Wissen in sich hineinfressen, um es dann bei der Prüfung wieder zu erbrechen. Dass die guten Ergebnisse auch auf Magenschwäche zurückzuführen sein könnten, muss man ja nicht an die große Glocke hängen. Dass jedoch die Uni nicht die einzige Bildungsstätte für die jungen Leute sein soll, hat die Landesregierung kürzlich durch eine neue Verordnung bekräftigt, die den Gastwirten gestattet, auch nach 2 Uhr nachts noch Alkohol auszuschenken. Wenn die Uni und ihre Bibliothek schon um 20.00 Uhr schließen, wo sollen dann die wissensdurstigen jungen Leute ihren Wissens- und sonstigen Durst stillen? Und wenn junge Leute besoffen von den Mauern springen, dann waren es bestimmt nicht Studenten der Freien Universität. So findet quasi auch noch eine natürliche Selektion statt, "the survival of the fittest", und die ergreifen dann alle den Lehrberuf. Wie würde der N. C. Kaser sagen? "südtirol wird eine schule haben, wie gut, dass niemand weiß!" * Verein zur Abschaffung der Schule |
Satire |
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