PAUSENSPIELE HIER UND ANDERSWO

Interkulturelles Schul- und Stadtviertelprojekt in Bozen

Seit einigen Jahren wird im Stadtviertel Bozen-Europa eine soziale, kulturelle uns sprachliche Integration der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und ihrer Familien angestrebt, wobei mehrerere Institutionen zuammenarbeiten.

von Predrag Rapo

In der Pestalozzi-Schule entstand ein Informationsschalter für Familien aus anderen Ländern, wo die Lehrpersonen mit Hilfe von Interkulturellen Mediatorinnen und Mediatoren mit den Eltern kommunizieren können und wo viele Informationen bereit liegen. Auch andere Initiativen, beispielsweise Deutschkurse für Kinder und Eltern, Aufgabenhilfe im Beisein der Migrantenmütter, interkulturelles Frühstück und Sommerschule, wurden gestartet.

Im Schuljahr 2005/06 wurden in mehreren Klassen mit Hilfe der Interkulturellen Mediatorinnen und Mediatoren (IKM) die Herkunftsländer der Schüler vorgestellt. Mit den Kindern wurden verschiedene Tänze, Spiele, Begrüßungsformen und Lieder eingeübt und anlässlich eines Abschlussfestes im Theater „Kristall“ präsentiert.

Im Schuljahr 2006/07 wurde ein „Minisuq“ mit mehreren Ständen organisiert, wo Trachten, Schmuckgegenstände, Schminktechniken, Schriftarten u. a. m. aus vielen Ländern gezeigt sowie typische Speisen und Getränke verkostet wurden.

Heuer im April, im dritten Jahr der fruchtbringenden Zusammenarbeit zwischen dem Schulsprengel Bozen-Europa, dem Sozialsprengel Europa-Neustift und dem Verein für interkulturelle Mediation „Offene Türen-Porte Aperte“ wurde eine Spielewoche für die ganze Schule organisiert.

Die Schuldirektorin, mehrere Lehrpersonen und Sekretärinnen, eine Sozialpädagogin, einige IKM, ein Mitarbeiter des Spielevereins DINX arbeiteten gemeinsam einen Spielplan mit Spielen aus Südtirol und aus vielen Ländern der Welt aus. Dass sowohl einheimische als auch Migranteneltern zur Teilnahme gewonnen werden konnten, wurde allgemein als besonders positiv angesehen. Auch Mitarbeiter vom Jugenddienst und einige Mittel- und Oberschüler trugen zum guten Gelingen bei. Heidi Niederkofler, die Direktorin des Schulsprengels, unterstrich den Charakter der Spielwoche als eine (Wieder-)Entdeckung der Spielkultur, die über Video- und PC-Spiele hinausgeht. Bei der Organisation war es wichtig, die maximale Anzahl der Teilnehmer/innen, alle für die Spiele erforderlichen Materialien sowie die Tage bzw. den Zeitraum, in dem die Eltern, Lehrpersonen und andere Mitwirkende die Spielstationen leiten konnten, zu bestimmen.

Auf dem Spieleplan gab es in diesen Tagen in Südtirol schon bekannte Spiele wie „Zicke Zacke Hühnerkacke“ , „Katz und Maus“, „Chinesische Mauer“, „Glasmurmelbahn“, „Fähnchen stehlen“, „Ciasota“ aus den ladinischen Tälern, aber auch Spiele zu Rhythmus und Sprache und verschiedene Gruppen- und Brettspiele. Aus den Herkunftsländern der einzelnen Schülerinnen und Schüler konnten die Kinder folgende Spiele wählen: „Hadudu“ aus Bangladesch, „Fischer, wie tief ist das Wasser?“ aus Deutschland, „Izmedu dvije vatre“ aus Bosnien, „Dama“ aus Serbien, „Pikuce i pale“ und „Piljanjea“ aus Kroatien sowie weitere Spiele aus Pakistan, Albanien, Marokko und Russland.

Vier Nachmittage konnten die Kinder von 15.00-17.00 Uhr im Schulhof und in der Eingangshalle die Spielregeln kennen lernen, Spiele selber ausprobieren oder anderen zuschauen. Ab 16.00 Uhr konnten dann auch Eltern und andere Familienmitglieder mitspielen oder einfach die geduldigen Versuche bei einzelnen Spielschritten unterstützen.

Fehler wurden mit wohlwollendem Lachen begleitet. Es gab keine Minuspunkte, und neue Motivation entstand bei der jeweils nächsten Spielsituation, wo meist zuallererst die einfachen Spielmaterialien bewundert wurden, wie zum Beispiel alte Gummireifen, bunte Kopftücher, Holzstöckchen oder runde Kieselsteine. Überall wollten die Kinder ihre Neugierde stillen.

                                 

Vor allem eines wurde klar: Das Spiel ist ein spontanes Lernen, das Groß und Klein Freude bereitet. Dies geschah bei allseits bekannten Spielen, die bei so einem Großangebot besonders attraktiv wurden, aber auch bei unbekannten Spielen, bei denen die Kinder sozusagen einen Blick in die heimatlichen Pausenhöfe der neu zugezogenen Mitschülerinnen und Mitschülern werfen konnten.

Dass die Spielewoche erfolgreich war, haben die Kinder sofort bewiesen, indem sie sich selber das entsprechende Material gesucht und die gelernten Spiele nachgespielt haben. Die Wichtigkeit von Bewegungspielen wurde durch die unterschiedliche Koordinierungsfähigkeit der Kinder (verschiedene Freizeitbeschäftigungen: Spielen im Freien bzw. Sitzen vor Fernseher und Computer) deutlich. Kinder aus der Stadt entdeckten plötzlich die Anziehungskraft einfacher Spiele und stellten ihre Fantasie, Geschicklichkeit und ihren Spaß am gemeinsamen Erleben unter Beweis.

„Igra piljaka“ oder „Piljanje“ – Ein Spiel aus Kroatien

Gespielt wird mit fünf feinen Kieselsteinchen, die in eine Kinderhand passen.

Die Kinder sitzen im Kreis, am Boden oder auf einer festen Matte, die Steinchen werden nach jedem Schritt wieder frei geworfen.

1. Schritt: Ein Steinchen wird in die Luft geworfen, das nächste schnell vom Boden genommen und gleichzeitig wird das erste Steinchen aus der Luft wieder gefangen. Mit der gleichen Bewegung sollten drei andere Steinchen einzeln vom Boden gepflückt werden. Wenn dem Kind das nicht gelingt, spielt das nächste Kind.

2. Schritt: Ein Steinchen wird geworfen, die anderen vier sollten hintereinander paarweise gefangen werden.

3. Schritt: Ein Steinchen wird geworfen und zuerst eines, danach die anderen drei zusammen mitgefangen.

4. Schritt: Ein Steinchen wird geworfen, die vier anderen werden auf einmal mitgefangen.

5. Schritt: Wie eine Glucke ihre Küken sammelt, werden die Steinchen unter der am Boden angelehnten Hand eingesammelt. Während ein Steinchen immer wieder in die Luft geworfen wird, werden die anderen nacheinander in die „Obhut der Glucke“ geschoben.

Das Spiel endet mit der Wiederholung von Schritt 4.

Predrag Rapo arbeitet als Interkultureller Mediator an mehreren Südtiroler Kindergärten und Schulen

inter

kulturelle

seiten