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Dialektisches Wachstum Seit etwa acht Jahren ist das Landesgesetz zur Autonomie der Schulen in Südtirol nun in Kraft, und es ist nicht leicht, eine klare Bilanz zu ziehen. Eines scheint gewiss: Die Vielfalt in der Südtiroler Bildungslandschaft hat zugenommen. Immer mehr Schulen nehmen den Spielraum, der sich ihnen bietet, wahr. Viele Prozesse sind in Gang gekommen, zuletzt bewegte sich auch in Sachen Evaluation einiges. Interessant sind auch die Dynamiken, die in den Plenarkonferenzen und in den Schulräten zu beobachten sind: Das Bewusstsein steigt, dass diese Gremien im Entwicklungsprozess einer Schule entscheidend sind. So kommt es zu einer Demokratisierung der Schule, zu kreativen Lösungsansätzen, zu Diskussion und Gedankenaustausch. Aber auch zu Streit, Konfrontation, Blockade und nicht zuletzt zu manch endloser Konferenz des Lehrerkollegiums.
Noch immer gibt es zahlreiche Kritiker der Autonomie der Schule. Vielen ist sie zu wenig weitreichend. Vor allem die Personalautonomie wird diesbezüglich oft genannt. Das ist ein heikler Punkt, den es gut zu bedenken gilt. Die italienische Tradition und die Verfassung spielen hier eine zentrale Rolle, denn dort ist die Vergabe von öffentlichen Posten klar geregelt. Die Figur der Lehrperson ist gesellschaftspolitisch von großem Interesse, daher gibt die öffentliche Hand die Kontrolle über die Vergabe von Lehrstellen wohl nicht so schnell ab. Das hat neben unbestreitbaren Nachteilen auch positive Seiten.
In die entgegengesetzte Richtung argumentieren Kritiker, die Verwässerung und Beliebigkeit durch eine unkontrollierte Öffnung der Schule befürchten. Die Autonomie bringt die Außenwelt – andere Bildungsträger, die Berufswelt und verstärkt die Eltern – in die Strukturen der Schulen hinein. Besorgte Stimmen mahnen zu Vorsicht – nicht zu Unrecht, wie ich meine. Trotz aller Vorbehalte bringt die Autonomie eine Differenzierung, neue Angebote, verstärkte Professionalisierung, kurzum Bewegung. Sie braucht noch Zeit, sie muss tiefer verwurzelt werden, sie muss sich entwickeln. Bleibt nur zu hoffen, dass die ständigen und unvorhersehbaren Abänderungen der Rahmenbedingungen durch die römische Regierung den dialektischen Wachstumsprozess der schulischen Autonomie nicht ganz zum Erliegen bringen. Johannes Kofler, Chefredakteur
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frei heraus gesagt |
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