ERFAHRUNGEN MIT KUNST IN NEUEN RÄUMEN

Nach einem Jahr „Museion Mobil“, bei dem das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Bozen in 94 Ausflügen über 70 Schulen und Kindergärten in ganz Südtirol besucht hat, gibt es nun wieder ein spannendes Ausstellungsprogramm in einer gänzlich neuen Umgebung: Das Haus in der Dantestraße 6 verfügt über 4 Stockwerke mit Ausstellungsflächen, eine integrierte öffentliche Bibliothek, einen Vermittlungsraum im ersten Obergeschoss, einen Bookshop und ein Cafe.

von Michael Giacomozzi

Nun, ab Herbst 2008, kann das Museion wieder von Schüler/innengruppen für Exkursionen und Ausflüge genutzt werden. Das Vermittlungsprogramm zu den Ausstellungen wird von einem Team von erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erstellt, die auf die jeweiligen Gruppen abgestimmte Parcours entwickeln.

 

Für alle Schulstufen

Für Jugendliche der Mittel- und Oberschulen sind interaktive Führungen besonders zu empfehlen, da sie durch die direkte Beteiligung der Schüler/innen nachhaltigere Erfahrungen ermöglichen. Bei der Arbeit mit Kindern der Grundschule sowie bei Kindergartengruppen wird auf spielerische und handlungsorientierte Elemente Wert gelegt. Neu im Programm ist ein „Entdeckungsparcours“ für Kinder, der das Haus mit all seinen Aspekten als „Museum“ thematisiert.

 

Ort der Sprachförderung

Eine Besonderheit im Programm ist das „Museion Multisprachen-Projekt“. Es rückt zeitgenössische Kunstwerke in eine Perspektive der Sprachförderung und nutzt sie als Stimulus für eine aktive Verwendung der Zweitsprachen Deutsch und Italienisch sowie der Fremdsprache Englisch. Zu jeder Ausstellung wird eine interaktive Führung mit Ausrichtung „Sprache“ ausgearbeitet. Zusätzlich wurden in Zusammenarbeit mit dem Multisprachenzentrum Bozen bereits drei Themenworkshops entwickelt, die verschiedene Altersgruppen (Grund-, Mittel- und Oberschule) ansprechen. Das Projekt wird am 24.10.2008 um 16.00 Uhr im Vermittlungsraum des Museion allen interessierten Lehrpersonen, insbesondere der Sprachfächer, vorgestellt.

Außerhalb der Ausstellungen werden im Vermittlungsraum des Museion Workshops zu verschiedenen Themen mit Bezügen zur Gegenwartskunst abgehalten. Dazu gehört der seit Längerem bestehende Themenkreis „Kunst und Sprache“ genauso wie ein neu ausgearbeiteter Workshop mit dem Titel „Anatomien der Gegenwart“, der sich mit dem Blick der neueren Kunst auf Phänomene wie Piercing, Tätowierung, Prothesen, plastische Chirurgie und Körpererweiterungen unterschiedlichster Art befasst.

Angebote für Lehrpersonen

Als ein erweitertes Instrument zur Recherche, Sammlung und Vertiefung von Unterrichtsunterlagen kann die Homepage des Museion www.museion.it genutzt werden. So ist es nun möglich, unter dem Link Besucherservice / Schule / Lehrer/innen Service Texte, Bilder, Bibliografien und nützliche Internetadressen zu den laufenden Ausstellungen, den Künstl(erinne)n und den Werken zur Verwendung im Unterricht oder zur Vorbereitung eines Ausstellungsbesuchs herunterzuladen.

Im Oktober 2008 beginnt eine Reihe von Einführungsveranstaltungen für Lehrer/innen, die in Zusammenarbeit mit dem ASM und dem KSL organisiert werden. Am Freitag, den 17.10.2008 um 16.00 Uhr gibt es eine Einführung in die Ausstellung SONIC YOUTH etc.: SENSATIONAL FIX für Lehrer/innen der Mittel- und Oberschulen (Anmeldungen unter der Tel. Nr. 0471 976370). Am Montag, den 20.10.2008 um 16.00 Uhr findet die Einführung zur selben Ausstellung für Lehrer/innen der Grundschulen und Pädagogen/innen der Kindergärten statt (Anmeldungen unter der Tel. Nr. 0471 978293). Im November 2008 präsentiert Direktorin Corinne Diserens das Projekt Museion speziell für Lehrer/innen.

Szene, heilige Städte und Bildungssysteme

SONIC YOUTH etc.: SENSATIONAL FIX (10.10.2008 bis 04. 01.2009) befasst sich mit den umfangreichen und vielseitigen Kontakten und Zusammenarbeiten der amerikanischen Experimental-Rock-Band Sonic Youth mit unterschiedlichsten Bereichen der Kunst: Malerei, Installation, Video, Film, Performance, Design, Poesie. Die Themen, die rund um diese Beziehungen kreisen, sind vielfältig – von den Zusammenhängen zwischen Experimental-Punk und Concept Art über Peripherie- und On-The-Road-Romantik (Cowboys, Beatniks) bis hin zu Jugendrebellion, Underground, Subkultur und Hollywood-Glamour. Eine große Fülle von Materialien – Plattencovers, Plakate, Fanzines, Flyer, Filme, Videos, Texte und Dichtungen (Burroughs, Ginsberg, Patti Smith, u. a.), Partituren (John Cage, Kurt Cobain, u. a.) und Werken von Künstler(inne)n (Tacita Dean, Michael Morley, Tony Oursler, Raymond Pettibon, Gerhard Richter, Gus Van Sant, Jim O'Rourke, u.a.), die mit Sonic Youth in Kontakt sind und waren, eröffnen Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Themen. Tatsächlich bietet der durch und durch interdisziplinäre Ansatz der Ausstellung Anknüpfungspunkte nicht nur für Kunstfächer, sondern auch für Bereiche wie Sprache, Geschichte, Philosophie, Religion, Psychologie und Pädagogik. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als wäre die Ausstellung vor allem für Jugendliche geeignet, wird es auch für Kinder einen altersgerechten Parcours mit ausgewählten Werken geben, der ihren Neigungen und Interessen entgegenkommt.

MATTI BRAUN – ÖZURFA, die am 3. Oktober 2008 im Atelierhaus des Museion eröffnet wird, präsentiert ein Projekt des deutschen Künstlers Matti Braun, das in Südostanatolien nahe der türkisch-syrischen Grenze seinen Ausgangspunkt hat. Einige Archäologen halten die Stadt Sanliurfa für die Wiege der Zivilisation; Muslime und Juden betrachten sie als heilige Stadt, in der angeblich Abraham geboren und vor dem Scheiterhaufen gerettet wurde. Heute noch sind in Sanliurfa die alten Mythen lebhaft präsent. Die Ausstellung ÖZURFA ist den Szenarien und Figuren dieser Mythen gewidmet, ohne den Anspruch, Ereignisse zu verifizieren oder kausale Zusammenhänge herzustellen.

Die Ausstellung MIKE KELLEY – EDUCATIONAL COMPLEX ONWARDS, 1995-2008 (Eröffnung am 16. Jänner 2009) enthält als Herzstück die Installation „Educational Complex“, die sich aus Materialien wie Fotografien, Drucksorten und anderen Installationen zusammensetzt. Es handelt sich um eine Miniatur-Rekonstruktion aller Bildungsinstitutionen, die der amerikanische Künstler Mike Kelley in seinem Leben durchlaufen hat und mit denen er in seiner ironisch-witzigen Art auf kritische Weise auf das Bildungssystem seines Landes anspielt. Eine Gelegenheit also, über Bildung und Erziehung in und außerhalb der Institution Schule nachzudenken.

 

 

Michael Giacomozzi, Leiter Besucherservice, Bildungsprojekte im Museion

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