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Wahlpflicht ohne Wahlpflichtkurse? Das Modell der Mittelschule „Josef Wenter" in Meran Die Arbeit im Bereich Wahlpflicht und Wahl stellt seit Einführung der Schulreform wohl für alle Schulen Südtirols eine große organisatorische Herausforderung dar. Die Arbeitsgruppe „Schulprogramm“ der Mittelschule „Josef Wenter" in Meran suchte daher nach einer Alternative: Diese sollte weniger aufwändig sein und trotzdem hohe Akzeptanz bei allen Beteiligten wie Schüler/innen, Eltern und Lehrpersonen aufweisen. von Evi Laimer und Hansjörg Gutweniger
Wir gingen zunächst daran, Wahlpflicht- und Wahlangebote für unsere Schüler/innen zu erstellen, die eine möglichst große Bandbreite an Interessen abdecken sollten. Die Angebote stießen auf großes Interesse und wurden - wie eine Umfrage ergab - von Schülerinnen, Schülern und Eltern als großes Plus der Schule gesehen. Allen 380 Schülerinnen und Schülern – unsere Schule besteht aus 6 Zügen mit 17 Klassen – die Wahlpflicht- bzw. Wahlangebote zu präsentieren, die gewählten Kurse zuzuteilen und die Termine zu koordinieren war jedoch eine sehr, sehr arbeitsintensive Aufgabe für uns und kostete am Beginn eines jeden Schuljahres viel wertvolle Energie.
Die einfachere Lösung Auf der Suche nach anderen Möglichkeiten gab es eine grundsätzliche Überlegung, denn die Erfahrung der Jahre zuvor hatte gezeigt, dass sich die Interessen der Schüler/innen die Wahlpflicht- und Wahlkurse betreffend im Großen und Ganzen auf vier Bereiche bezogen: Sport, Technik und Kunst, Musik, Sprachen. Die Idee war nun also, die Schüler/innen bzw. deren Eltern bereits vor Eintritt in die Mittelschule nach deren Interessen und Vorlieben zu befragen und die Schüler/innen dann diesen Interessen entsprechend jeweils einer Klasse zuzuweisen, in der speziell die Freude an Sport, Technik, Sprachen oder an der Musik gefördert wird. Die verstärkte Musikerziehung hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Tradition, da an der Mittelschule „Josef Wenter“ seit einigen Jahren der Schulversuch „Mittelschule mit musikalischem Schwerpunkt“ realisiert worden war. Neben dem musikalischen Schwerpunkt gab es nun auch den Schwerpunkt Sport. Die räumlichen Möglichkeiten an der Schule waren und sind ideal. Wir sind mit zwei Turnhallen und einem großen Sportplatz ausgestattet und so arbeiteten die Lehrpersonen mit viel Enthusiasmus ein Programm aus. Da eine große Gruppe von Schüler/innen bereits in der Grundschule große Freude am Handwerklich-Kreativen zeigt, lag es nahe, auch für diese Schülergruppe ein Schwerpunktangebot zu schaffen. Und die Gruppe der Sprachenlehrer/innen brachte schließlich den Wunsch ein, auch eine Klasse mit Schwerpunkt Sprache anzubieten, wobei vor allem auch an eine Theatergruppe gedacht wurde. Der Elternrat zeigte sich anfangs etwas skeptisch, weil ja das schulische Wahlpflicht- und Wahlangebot große Zustimmung erfahren hatte und eine Neuorientierung für den Elternrat nicht recht einzusehen war. Man einigte sich jedoch darauf, zumindest einen Versuch zu starten und nach Ablauf des Jahres zu überprüfen, wie dieses Modell bei Schüler/innen, Eltern und Lehrpersonen angekommen sei. Die Eltern der fünften Grundschulklassen des Einzugsgebiets wurden über die Möglichkeit informiert, statt der sonst üblichen Wahlpflichtkurse ein erweitertes Angebot im „normalen“ Stundenplan zu erhalten. Schließlich stand dem Versuch nichts mehr im Wege.
Kernunterricht statt Wahlpflichtkurse Da die Umfrage am Ende des Schuljahres 2007/08 ergeben hat, dass auch die Skeptiker/innen im Laufe der Zeit von der Sinnhaftigkeit überzeugt worden waren, wird das Modell nun weitergeführt, d. h. es gibt keine Wahlpflichtkurse mehr, sondern die Wahlpflichteinheiten werden in den Stundenplan eingebaut: Im Sport-Zug erhalten die Schüler/innen fünf statt zwei Einheiten Sport, im Technik-Kunst-Zug sieben statt vier Einheiten Technik und Kunst, im Musikzug fünf Stunden Musiktheorie und Chorgesang mit zusätzlichem Instrumentalunterricht. Auch im Sprachenzug werden die Einheiten um 3 erhöht, wobei man besonderen Wert auf die Realisierung von Theaterprojekten legt. Lesen Sie weiter in unserem Heft!
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PRAXIS |
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