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Lernen nicht allein im Klassenzimmer Die Waldorf-Oberschule, das neue Obersrufenmodell in Südtirol
Theater, gemeinnützige Arbeit, Auslandsaufenthalte, eine unglaubliche Fächervielfalt, Fächer übergreifende Projektarbeiten, teilweise abgeschaffte Noten und gelebte Demokratie: Das alles gibt es an der Waldorf-Oberschule Bozen. von Ulrich Eise
Die Waldorf-Oberschule Bozen (WOB) umfasst derzeit die Klassenstufen 9 bis 11 mit gut 50 Schülerinnen und Schülern. Sie versteht sich als eine zur Matura führende Oberstufe mit den Schwerpunkten Kunst, Sprachen und Sozialkompetenz. Die Schüler/innen kommen aus den verschiedensten Gegenden Südtirols und des Trentino. „Vielfalt in jeder Hinsicht, Selbstverantwortung, mit Liebe unterrichten sowie gegenseitiger Respekt und Wohlwollen sind die Grundpfeiler unserer Schule“, sagt Organisationsdirektor Markus Feichter. Kopf, Herz und Hand Pestalozzi meinte, erst wenn der Mensch körperlich und kognitiv gleichberechtigt arbeite, entstehe eine Herzensverbindung zu dem, was er tue, und damit Selbstverantwortung. Das Logo der Schule bringt die Inspiration durch Pestalozzi zum Ausdruck; es zeigt Kopf, Herz und Hand. Von den staatlichen Schulen unterscheidet sich die WOB durch die Vielfalt der Fächer. Dadurch können die Schüler/innen mehr auf ihre wirklichen Interessensgebiete angesprochen werden. Neben den bekannten Fächern wie z. B. Mathematik, Chemie und Englisch gibt es hier fast 80 verschiedene Fächer/Erfahrungsbereiche, denn die Schüler/innen lernen am besten durch vielfältige Angebote. Zudem werden Fächer in drei Sprachen unterrichtet: in Englisch, Deutsch und Italienisch. Für Fremdsprachenfreaks gibt es zusätzlich Französisch und man überlegt auch Spanisch anzubieten. Intensität statt Häppchen Mit dem, was die WOB anbietet, ist sie eigentlich schon keine Schule mehr, sondern ähnelt mehr einer Multiversity. Es wurden viele Elemente aus der Reformpädagogik eingebaut. Der herkömmliche Fach-unterricht wurde stark aufgebrochen – zugunsten eines Lernens im Blockunterricht, der sich oft über drei oder vier Wochen erstreckt. Erst dann wechselt die Fächerkombination. Der 50-Minuten-Takt wurde ab-geschafft, es gibt fast nur Doppelstunden oder gar Dreifachstunden: Intensität statt Häppchen. Schüler/ innen können so tiefer in die Materie eindringen. Kein Sitzenbleiben Es gibt kein Sitzenbleiben der Schüler/innen, also müssen sich die Lehrer/innen einiges einfallen lassen, um die Leistungsschwächeren zu fördern und zu motivieren. Lehrer/innen unterrichten auch Fächer, für die sie nicht ausgebildet wurden, sind also auch selbst Lernende. Dabei haben sie selbstverständlich die Unterstützung des Kollegiums. Die Lehrer/innen haben im Rahmen des Lehrplans einen großen autonomen Entscheidungsspielraum, und sie planen Projekte mit den Klassen gemeinsam. Die WOB verzichtet zunächst ganz bewusst darauf, die Leistungen der Schüler/innen in abstrakten Noten auszudrücken. Auch ein Sitzenbleiben gibt es nicht. Die Schülerinnen und Schüler erhalten jedoch regelmäßig differenzierte Beurteilungen zur eigenen Orientierung und Motivation. Diese Beurteilungen ...Lesen Sie weiter in unserem Heft! |
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