Bildelemente, Formen, Farben, Klänge und Bewegungen

Schaffensprozesse des Ausbalancierens bei Internationaler Sommerakademie in Laas

Erstmals wurde in Südtirol im August 2008 eine Internationale Sommerakademie mit ästhetischen Werkstätten durchgeführt. Die Veranstaltung wurde im „Landesplan der Fortbildung 2008/09“ angekündigt und sprach pädagogische Fachkräfte im Kindergarten, Lehrpersonen für den musischen Bereich aller Schulstufen und Bildungssysteme sowie Studierende aus vier Ländern an. Austragungsort war Laas.

von Klaus-Ove Kahrmann und Wieslaw Karolak

„Balance“ ist ein fundamentaler Begriff in unserem Leben. Wenn wir es nicht verstehen, Balance herzustellen, stellt sich die berüchtigte „Schieflage“ ein, die alles ins Rutschen bringt und damit uns selbst und unsere Umgebung gefährdet. Das in viele andere Sprachen eingegangene französische Wort „balance“ können wir etwa mit Gleichgewicht übersetzen. Es stammt vom lateinischen Begriff „bilanx“ ab, was wörtlich „zwei Waagschalen habend“ bedeutet.

 

„Balance“ als Motto für künstlerisches Schaffen

Auch in der künstlerischen Arbeit ist das Herstellen von Gleichgewicht ein zentraler Punkt. Das „Ausbalancieren“ von Bildelementen, Formen, Farben, Klängen und Bewegungen bestimmt den Schaffensprozess von Anfang bis Ende. Man kann das, was man in unterschiedlichen Formen darstellt, als eine Kette von Balancierübungen ansehen. Vieles davon ist metaphorisch und lässt sich auf die unterschiedlichsten Lebenssituationen übertragen, im persönlichen und gesellschaftlichen Bereich.

Die einwöchige Sommerakademie bot eine Reihe von Gelegenheiten für „Balance-Übungen“. 65 jugendliche Teilnehmer/innen aus Südtirol/Italien, Deutschland, Polen und Tschechien waren angereist, um an diesen Erfahrungen teilzuhaben.

Austragungsort

Während der Arbeit zeigte sich, dass sich Laas im Vinschgau gut für die Durchführung einer Akademie eignet. Eine bedeutende Rolle spielte dabei die Fachschule für Steinbearbeitung „Johannes Steinhäuser“, die mit ihrer hervor-ragenden Fachausstattung insbesondere im Bereich Plastik/Skulptur ideale Voraussetzungen für die gestalterische Arbeit bot. Durch die lange Bildhauertradition in Laas hat sich dort ein Umfeld erhalten, das vielfältige Kulturspuren aufweist und eine große Offenheit gegenüber gestalterischen Aktivitäten aller Art repräsentiert.

Arbeit in den Werkstätten

Die Arbeit in den einzelnen Werkstätten war von ähnlicher Intensität, aber von den Zielsetzungen, Materialien und Prozessen sehr verschieden. Der „Workshop Malerei“ unter der Leitung von Saskia Saurer und Christian Stecher galt als kreatives Forum, in dem Gedanken, Konzepte und konkrete Bilder frei umgesetzt wurden. Spontaneität und konzeptionelles Arbeiten, Teamarbeit und Selbstreflexion, Respekt und Selbstverantwortung waren dabei Leitmotiv und Auftrag.

Im „Workshop Plastik“ – er wurde unter der Leitung von Bernhard Grassl durchgeführt – bearbeitete die Gruppe den weißen Laaser Marmor. Es ging hier nicht um ein am Anfang des Arbeitsprozesses vorformuliertes Ziel, sondern um die Formfindung am und durch den Stein selbst. Diese wurde dann entweder in figürlich-abstrakte oder gänzlich konkrete, freie Formen umgesetzt. Die Teilnehmenden bearbeiteten diesen schwierigen Werkstoff mit großem Gestaltungswillen und viel Ausdauer.

Im „Workshop Soundimages“ erarbeiteten die Gruppenmitglieder unter der Regie von Rolf Sudmann musikalische Performances, welche die Grenzen zu Literatur, Performance und bildender Kunst überschritten. Die Musiker benutzen einfache elektroakustische Verfahren und ein ausgewähltes Instrumentarium für die Umsetzung ihrer Kompositionen.

„Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen sie.“ Das war der Leitgedanke der „Land Art-Werkstatt“. ..

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