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Bildung ist Sache der Lehrpersonen Waldorfschulen sind anders
Organisatorische Rahmenrichtlinien sowie pädagogische Grundsätze von Waldorfschulen unterscheiden sich grundlegend von denen anderer Schulen. Wo sind die Unterschiede, welche Theorien, Ideen stecken hinter diesem alternativen Schulmodell? Was wird vom schulischen Umfeld gefordert und welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung bieten sich? von
Arnold Lochmann
Zwei Zielsetzungen verfolgte Rudolf Steiner 1919, als er im Auftrag von Emil Molt die erste Waldorfschule in Stuttgart ins Leben rief. Einerseits sollte die Waldorfschule beweisen, dass die anthroposophische Menschenkunde in der Erziehung und im Unterricht fruchtbringend wirken kann, andererseits sollte auch nachgewiesen werden, dass eine von staatlichen Direktiven und Lehrplänen unabhängige Lehrerschaft eine Schule selbst verwalten kann. Die Waldorfschule sollte daher nicht von einem Direktor, sondern kollegial verwaltet werden. Nicht das Amt, sondern die pädagogische Kompetenz soll bei den Entscheidungsfindungen Gewicht haben. Diese Art der Schulführung wird in den 964 Waldorfschulen weltweit - davon 677 in Europa und 212 in Deutschland – erfolgreich praktiziert: bei der Entscheidungsfindung pädagogischer Natur können nur die am Erziehungs-prozess Beteiligten mitwirkenBildungsziel Freiheit Der /die Waldorflehrer /in arbeitet in der Gewissheit, dass es seine/ihre zentrale Aufgabe ist, die Schüler/innen so zu erziehen und zu unterrichten, dass diese ein gesundes und starkes Selbstwertgefühl entwickeln können, um als selbstbestimmte Menschen nach Freiheit streben zu können. Wer aber zur Freiheit erziehen will, kann nicht der verlängerte Arm von Schulbehörden und erst recht nicht von Politikern sein. Er muss selbst ein nach Freiheit strebender Mensch sein. Er muss aber auch dazu bereit sein, die volle Verantwortung für sein Handeln zu tragen. Rudolf Steiner hat seinerzeit gefordert, dass die Pädagogik sich von der Bevormundung des Staates befreien müsse. Der Pädagoge muss seine Unterrichtsinhalte allein aus Einsicht in das Wesen des heranwachsenden Menschen und in die Erfordernisse der Zeit auswählen und gestalten. Aufgabe des Staates wäre demnach nur, dafür zu sorgen, dass jeder das Recht auf Bildung hat und dieses Recht auch in Anspruch nehmen kann. Wie und was unterrichtet werden soll, muss dem Pädagogen/der Pädagogin überlassen werden. Würde man die Schulen in die Unabhängigkeit entlassen, würden die Eltern die Schule für ihre Kinder auswählen können. Menschenbild als Grundlage der Pädagogik Jede Lehrperson eignet sich im Laufe ihres Lebens mehr oder weniger bewusst ein Menschenbild an. In der westlichen Welt ist das gängige Menschenbild von den Errungenschaften der Naturwissenschaften geprägt. Sie beeinflussen die pädagogische Arbeit maßgeblich. Wir verdanken den Naturwissenschaften großartige technische Fortschritte. Zu einem wirklichen Verständnis des menschlichen Wesens kommen wir mit ihren Arbeitsmethoden leider nicht. Wer wirklich vorurteilslos zu denken bereit ist, wird aus eigener Erfahrung zugeben, dass sein innerstes Wesen nicht durch Mathematik, Physik und Biologie zu erfassen ist. Gerade das, was die Individualität ausmacht, entzieht sich den Naturwissenschaften.Lesen Sie weiter in unserem Heft! |
PRAXIS |
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