Neue Wege des Lernens

Montessori-Pädagogik an 5 Südtiroler Mittelpunktschulen 

Immer mehr schulpflichtige Südtiroler Kinder und Jugendliche haben die Möglichkeit, sich innerhalb einer „Regelschule“ für den Besuch eines Montessori-Klassenzuges zu entscheiden. Das ist kein Zufall, denn dahinter stecken jahrelange, konsequente Aufbauarbeit und gezielte Förderung.

von Maria Martin

 

Eine kleine Gruppe von Kindern sitzt am Boden, eng zusammengerückt und abwechselnd untersuchen sie mit einer Lupe eine Blüte, indem sie die einzelnen Teile benennen und diese dann als Wortkarten einem Blütenbild zuordnen.

Sie sprechen leise miteinander und doch angeregt, denn jede und jeder will zu Wort kommen. Zwei andere Kinder haben vor sich eine Dose auf dem Tisch – ein Dosendiktat – und sie diktieren sich gegenseitig Wörter. Ein Junge schreibt konzentriert in einem Heft, während daneben ein anderer kleine Gegenstände in einer Reihe aufbaut und entsprechende Wortkarten dazulegt. Eine Lehrerin kniet mit einer kleinen Gruppe von Kindern auf dem Teppich und führt sie in die Addition mit dem goldenen Perlenmaterial ein. Mengen von Perlen werden zusammen geschoben und zusammen gezählt. Über das Greifen und Handeln wird hier gelernt! In der Leseecke wird es laut, die andere Lehrerin geht hin und erinnert die Kinder an die Regeln der Freiarbeit. Andere Schüler/innen beschäftigen sich mit Wasser und Landformen, schütten Wasser in kleine Wannen und erkennen dabei den Unterschied von einer Insel und einem See. Der Schulgong läutet zum Stundentakt, aber kein Kind lässt sich ablenken. Alle arbeiten mit großer Selbstverständlichkeit weiter.

Freiarbeit ist das Kernstück

Die Freiarbeit dauert jeden Tag mindestens zwei Stunden. Sie ist das Kernstück des Unterrichts in den Montessori-Klassen. Den zwanzig Schülerinnen und Schülern wird da viel zugetraut. Sie können frei wählen und selbst entscheiden, mit welchem Lernangebot sie sich beschäftigen. Die Kinder organisieren selbst, was und mit wem sie arbeiten und können dabei ihrem eigenen Arbeitsrhythmus folgen. Die Anregung bietet hier die vorbereitete Lernumgebung, die von der Lehrkraft so gestaltet wird, dass sie den Bedürfnissen der Kinder entspricht und bei jedem individuelle weiterführende Lernprozesse bewirkt. Dabei helfen Ordnungsstrukturen, damit jedes einzelne Kind selbsttätig die Arbeit organisieren kann. Als Strukturhilfe für die Lernziele, die den Rahmenrichtlinien der Regelschulen entsprechen, wird je nach Klasse auch ein Arbeitsplan besprochen.

Der Umgang mit dem Montessorimaterial und anderen konkreten Lernmaterialien erleichtert den Kindern das Verstehen über das Begreifen. Zahlreiche Materialien zu bestimmten Themen werden von den Lehrpersonen selbst erstellt.

Anleitung und Struktur erforderlich

Das Lernen erfolgt nicht nur in entdeckender Form. ..

Lesen Sie weiter in unserem Heft!

PRAXIS