Zwischen Tür und Angel oder vor der Tür?

Bringt das Modell der Sprachenzentren das "Aus" für Interkulturelle Mediation?

Interkulturelle Mediation ist in der globalisierten Welt nicht wegzudenken. In Südtirol wurden 2007 die Sprachenzentren aufgebaut. Es gibt nun eins für alle Sprachgruppen. Aber warum reduziert das Pädagogische Institut die Anzahl der Interkulturellen Mediatorinnen und Mediatoren? Und ist das gewählte Modell auch zielführend?

von Beatrice Tedeschi

Ich hatte das Glück, während meiner Aufenthalte in Pakistan Urdu zu lernen. Mit der Sprache, die ich im Kontakt mit Migranten aus Indien und Pakistan benütze, wurden mir die vielfältigen Aspekte ihrer Lebensweise vertraut: Bräuche, Traditionen, Werte, Kultur und Religion, Wirtschaft und Politik.

Während der zweijährigen Ausbildung zur Interkulturellen Mediatorin (IKM) habe ich gleichgesinnte Menschen gefunden. Wir haben gemeinsame Interessen und befassen uns mit Themen wie Kulturaustausch, friedliches Zusammenleben und Integration.

Ich war froh, als im Jahre 2000 Aufträge von Seiten der Schule ankamen. Ich konnte sowohl mein Wissen als auch meine Erfahrungen der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Die Lehrpersonen – mit der Ankunft von Schülern und Schülerinnen aus Indien, Pakistan und aller Herren Länder anfangs oft überfordert und allein gelassen – fanden bald Wege zu einer gelingenden Integration. Es ging vor allem um den Kontakt mit den Eltern, die erste Phase des Erwerbes der neuen Sprache, die Klärung von Missverständnissen und anderes mehr.

Meine Aufgabe als Kultur- und Sprachmittlerin begann immer mit der Ankunft eines Kindes in der Schule, auch während des Schuljahres. Die Kinder ein Stück zu begleiten, um den Kulturschock ein wenig abzumildern und erste Schwierigkeiten zu überwinden, ergab Sinn und stellte eine konkrete Hilfestellung dar. Mit dem Erlernen der Landessprache(n) sieht es etwas anders aus; es bedarf vor allem auch der Zeit. Uns es ist nachweislich vielen Kindern gelungen, die neue Sprache im sozialen Umfeld einer Klassen- und Schulgemeinschaft in kurzer Zeit zu erlernen.

Zwei unterschiedliche Modelle

Die italienische Schule arbeitete mit einem anderen System. Sie beauftragte Mediatorinnen und Mediatoren, die das Migrantenkind 30 Stunden lang aus der Klasse nahmen. Diese Aufträge waren schlecht bezahlt und schlecht angesehen.

Mich freute es, dass die deutsche Schule ihre Wege ging. Ich habe dabei die Erfahrung gemacht, dass das Kind mit Migrationshintergrund nicht als Störfaktor gesehen wurde, weil es dem Unterricht anfangs nicht folgen kann. Es wurde vielmehr als Person empfangen, die Gutes mit sich bringt und Neues lernt: in der Klasse, von Mitschülerinnen und Mitschülern, durch Lehrpersonen und die gesamte Schulgemeinschaft. Es war Aufgabe eines IKM, Lehrpersonen, Kind und Eltern bei der Eingliederung zu unterstützen und zu beraten.

Schade, dass es jetzt damit aus ist, weil die deutsche Schule mit der Erschaffung der Sprachenzentren und ihrer Umstrukturierung im neuen Schuljahr ihr bewährtes Modell verlassen hat. Es hätte eigentlich umgekehrt sein sollen: Das Modell des deutschen Schulamtes war beispielhaft. Ich hätte auf mehr Hausverstand und weniger Hörigkeit gehofft.

Wege zueinander

Schade auch, dass wieder am falschen Ort gespart wird. Die Arbeitsbedingungen der Interkulturellen Mediatorinnen und Mediatoren haben sich derart verschlechtert, dass es für viele von uns uninteressant ist, weiterhin in diesem Bereich tätig zu sein. Erfahrene und ausgebildete Kräfte wurden tatsächlich vertrieben. Wie kundig bzw. interkulturell vorbereitet sind die Koordinatoren und Koordinatorinnen des Sprachenzentrums? Zwölf Personen befassen sich mit vielfach bürokratischen Aufgaben. Aber wer arbeitet im Sinne der interkulturellen Vermittlung in den Klassen oder – wie oft geschehen und treffender gesagt – „zwischen Tür und Angel“ für die Kinder? Wer unterstützt die Eltern und berät die Lehrerinnen und Lehrer? Letztere haben sehr wohl Interesse daran, kulturelle Unterschiede kennen zu lernen, zu verstehen und „neuen“ Schülerinnen und Schülern das „Ankommen“ in der Klasse zu erleichtern.

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