Willkommen und Wel(t)come

Die Schule führt Kinder in die Gesellschaft ein und setzt fort, womit die Familie begonnen hat. Doch wie verhält es sich, wenn Erziehungsstrategien, Erziehungsstile und Erziehungsziele so stark auseinander driften, dass die Schule nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus nicht verwirklichen, sondern auch die Erziehungs- und Bildungsaufgabe nicht mehr ausführen kann, wie dies oft der Fall ist, wenn die Anzahl der Kinder aus anderen Ländern zunimmt?

von Edina Pusztai Nonn

Mit der steigenden Anzahl von Schülerinnen und Schülern aus anderen Ländern sind Schulen verstärkt mit dem Phänomen der Erziehungsvielfalt konfrontiert. Darauf reagierte man im Pustertal mithilfe des Sozialsprengels Bruneck/Umgebung durch ein Netzwerk. Eingebunden waren der deutsche Schulsprengel Bruneck I und das italienische „Istituto Pluricomprensivo.“ Das Projekt Wel(t)come war geboren.

Die ersten Begegnungen der Zuwanderer mit der einheimischen Gesellschaft geschehen in den meisten Fällen auf dem Arbeitsplatz oder in den Erziehungsinstitutionen. Eine gelungene Integration der Migranten in die Gesellschaft geht aber über Arbeits- und Schulbeziehungen hinaus.

Mit anderen Menschen in Dialog zu kommen, kann sich mitunter jedoch als äußerst schwierig erweisen, wenn entsprechende Rahmenbedingungen fehlen. Den Bemühungen, sich selbst oder andere zu integrieren, stehen einerseits Berührungsängste der Mehrheitsbevölkerung oder aber der Migrantenfamilien im Wege. Andererseits kann die Integration auch durch bestimmte „Handicaps“ der Migranten, (z. B. fehlende Sprach- und Ortskenntnisse, andere Strategien der Lebensbewältigung) verzögert, wenn nicht gar unterbunden werden. Das gilt auch für den Umgang mit der Schule.

Hier wollte sich das Projekt Wel(t)come einschalten, Barrieren abbauen, die Menschen zu gegenseitiger Annäherung „verführen“, den Migrantenfamilien Beispiele zeigen, die einiges in dieser Gesellschaft verständlicher machen. Den Schwerpunkt des Projektes „Wel(t)come“ bildeten daher Angebote, die für Migrantenkinder und deren Familien, aber auch für einheimische Familien Möglichkeiten zur Integration boten.

Im Mittelpunkt stand die Familie als kleinste soziale Einheit und primäre Erziehungsinstanz, zumal es Aufgabe der Familie ist, die Kinder in die Gesellschaft einzuführen. Die Kindergärten und Schulen gelten als sekundäre Erziehungsinstanz. Um ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag nachzukommen, sind die Institutionen darauf angewiesen, dass die Familien sie in ihren Absichten unterstützen.

Das Projekt unterstützte die Migrantenfamilien und die Schulen in der Harmonisierung der verschiedenen Vorstellungen von Erziehungsaufgaben. Erfolgreiche Erziehung setzt nämlich voraus, dass Erziehungs-partner an einem Strang ziehen und einander Vertrauen entgegen bringen. Vertrauen kann aber nur entstehen, wenn beide Partner – Schule und Elternhaus – daran arbeiten, d. h. sich einander annähern und den Austausch pflegen, um sich zu verstehen, Anderssein aber auch zulassen.

Von den Ansätzen einer zeitgemäßen interkulturellen Kommunikation ausgehend, wurde bewusst auf themenspezifische Folklore und auf akademische Aufklärungen verzichtet. Vielmehr wurden Angebote in den Mittelpunkt gestellt, die die Angleichung der kulturellen Grundannahmen (wie Zeit, Raum, Beziehung) im Alltag fördern und dadurch eine gesunde Integration erleichtern.

An der Realisierung des Projektes beteiligten sich viele Freiwillige sowie Personen aus privaten Vereinen und Fachkräfte aus verschiedenen Institutionen und Organisationen.

Im Konzept folgte das Integrationsprojekt Wel(t)come dem „Prinzip der kleinen Schritte.“ So entstanden dem Anschein nach simple Angebote mit großer Wirkung, z. B. das Sommerbeschäftigungsprogramm „Gemeinsam spielen – Giocare insieme“, „Spielend turnen mit Mama“, „Mädchenschwimmen“, Frauencafé“, Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenhilfen, Eislaufkurs, theaterpädagogische Werkstatt, „Mami lernt Deutsch“ mit Kinderbetreuung, zahlreiche landeskundliche Angebote und Führungen im Krankenhaus, in der Gemeinde und in der Stadtbibliothek. Es gab nicht nur Angebote für die Erstgeneration der Migranten, sondern auch für die Zweitgeneration, ihre Entwicklung und Einbindung in die hiesige Gesellschaft.

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