Gelebte InterkulturalitätErfahrungsbericht über ein Praktikum in Südostasien Vor knapp 40 Jahren wurde in Singapur die „German European School Singapore“ gegründet. Eine Gruppe von angehenden Kindergärtnerinnen und Grundschullehrerinnen der Fakultät für Bildungswissenschaft in Brixen absolvierte dort ihr Praktikum. von Marlene Pircher
Es herrscht hektisches Treiben am Schulcampus der „ German European School Singapore“ (GESS). Das Thermometer zeigt 35 Grad im Schatten, die Luftfeuchtigkeit liegt bei 85 Prozent. Plötzlich wird es laut, ein monsunartiger Regen geht nieder, zwanzig Minuten lang scheint es, als gäbe es keinen Morgen. So schnell, wie das Gewitter herangezogen ist, sind die Wolken wieder verschwunden. Die Sonne brennt vom klaren Himmel, die Temperaturen sind konstant geblieben. Hunderte Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Kulturkreisen, Sprachgruppen und Nationalitäten – Deutsche, Schweizer, Engländer, Australier, Indonesier, Südafrikaner und viele andere – zwischen 5 und 20 Jahren versammeln sich in der Schulkantine zur großen Pause. Die Interkulturalität ist unübersehbar, die Sprachenvielfalt unüberhörbar. Horizont erweitern Es ist ein Tag wie jeder andere auch, mit einer Ausnahme: auch „Puschtra“, Vinschger, Wipptaler Dialekt und Grödnerisch wird in diesen Wochen gesprochen. Ein Dutzend Studentinnen der Fakultät für Bildungswissenschaften Brixen haben sich der Herausforderung gestellt, ihr Pflichtpraktikum im August und September 2007 im Ausland zu absolvieren, um durch die aktive Mitarbeit in Klassen und Kindergartengruppen viele Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln. Interkulturalität und Sprachenvielfalt werden im Vergleich zu Südtirol in Singapur nicht thematisiert, sie sind einfach vorhanden. Damals als angehende Kindergartenpädagogin nutzte ich die Chance des Praktikums in Südostasien, um Erfahrungen für meinen Beruf zu sammeln: an einer Schule, die die Interkulturalität und das friedliche Zusammenleben und -arbeiten der 4,2 Millionen Singapurianer widerspiegelt: Chinesen, Malaien, Inder und ein geringer Anteil von ca. 80000 Amerikanern, Europäern, Australiern und Neuseeländern. Letztere, die so genannten „expacts“, arbeiten überwiegend für die vielen internationalen Konzerne der „Löwenstadt“, welche am Knotenpunkt von internationalen Flug- und Schiffsrouten liegt. Offene Bildungsinstitution Um den Kindern der expacts aus Deutschland eine fundierte Ausbildung von der Vorschule bis zur staatlichen Abschlussprüfung zu ermöglichen, wurde die GESS vor knapp 40 Jahren gegründet. Ich habe die GESS als eine für alle offene Bildungsinstitution erlebt, die sich zum Wohle der Kinder weiterentwickelt und stark im Wachsen ist. Der Aufbau der GESS spielt bei dieser Entwicklung eine tragende Rolle: Es gibt eine German Section (deutsche Unterrichtssprache) und die European Section (englische Unterrichtssprache), die sich vom Kindergarten über die Vor- und Grundschule bis hin zur staatlichen Abschlussprüfung und dem Business College aufbaut. Das Leitbild der Schule – „Zwei Dinge brauchen Kinder, Wurzeln und Flügel“ – manifestiert die Philosophie der GESS, die Kinder zu weltoffenen, aktiven und verantwortungsbewussten Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen. Das Zitat von J. W. v. Goethe spiegelt zwei faszinierende Besonderheiten der GESS wider: Die Sprachenvielfalt und die Interkulturalität, sowie die verschiedenen Lebensbiografien der Kinder und Erwachsenen. Die Kinder, welche die GESS besuchen, haben oftmals schon Jahre und Monate lang in anderen Ländern gelebt, sie sind stets auf der Durchreise: Luna, 6 Jahre:„Ich habe schon überall auf der Welt gewohnt, wo genau weiß ich nicht mehr.“ Ich erlebte eine Generation von Kindern und Jugendlichen, deren Heimat die Welt ist, die häufig Wohnort, Bezugspersonen und das soziale Umfeld wechseln. Die Multikulturalität an der GESS und in Singapur ist gang und gäbe.„Singapur ist die Schweiz Asiens, schön, sicher, reich, modern“. ... ... Lesen Sie weiter in unserem Heft! |
DIS KUS SION |
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