Von kleinen und großen Helden

Napoleon und Andreas Hofer im Geschichtsunterricht der Mittelschule

 

Das vorliegende Material ist für Mittelschüler/innen gedacht und Teil einer umfassenden Unterrichtseinheit, kann aber auch ohne diesen Kontext verwendet werden. Die Schüler/innen sollen einen Überblick über die beiden Akteure dieser Zeit gewinnen und zum selbstständigen aktiven Handeln und Denken angeregt werden.

von Rosa Monika Laimer

Es ist erfahrungsgemäß nicht allzu schwierig, Mittelschüler/innen für die großen Helden der Geschichte zu motivieren. Allerdings stellt das Thema „Napoleon und seine Zeit“ Lehrer/innen und Schüler/innen vor Herausforderungen, weil es einiges an Wissen über geschichtliche Fakten und Zusammenhänge voraussetzt.

Die historische Gestalt Napoleon ist sehr eng mit der Französischen Revolution verbunden, die wiederum ohne die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht erklärbar ist. Nicht leicht nachzuvollziehen ist für Mittelschüler/innen z. B. die Tatsache, dass einer Revolution, die den König absetzt, in Frankreich ein Kaiser folgt. Zum Nachdenken regt auch die Tatsache an, dass ein Feldherr gerade durch die Niederschlagung eines Monarchistenaufstandes den eigenen Aufstieg zum Kaisertum ebnet.

Dass Kriegszeiten alle üblichen Wertvorstellungen wie Demokratie und Frieden außer Kraft setzen und dass dann all das gilt, was sonst verabscheuungswürdig ist, entfacht meist eine Grundsatzdiskussion, um die man wohl nicht herumkommt. Machtgier, Härte und Rücksichtslosigkeit – das ist der Stoff, aus dem die Helden sind. Die Frage der Rechtfertigung von Militäreinsätzen kommt da sehr schnell auf, ebenso die Frage, ob der Zweck alle Mittel heiligt. Weitere Themen sind die Unterscheidung zwischen einem Angriffs- und einem Verteidigungskrieg und ganz allgemein die Rolle und der Wert des Individuums in politischen Systemen und Verstrickungen.

Helden werden gemacht, und sie sind fast immer männlich. Heldenruhm erwirbt man sich mit Waffen und auf einem Kriegsschauplatz – kein Ort, der mit traditionellen Frauenrollen besonders gut vereinbar wäre. Daher gibt es, bis auf wenige Ausnahmen, offiziell nur wenig Heldinnen. Den Schülerinnen und Schülern fallen solche „Nebensächlichkeiten“ nur auf, wenn sie in dieser Richtung sensibilisiert sind. Auf diese Tatsachen nicht hinzuweisen, fände ich, wie übrigens bei anderen geschichtlichen Themen auch, allerdings etwas problematisch.

Außerdem ist die Rolle der Frau(en) an der Seite der Helden eine nicht uninteressante. Man lese auch einmal in der Biografie Napoleons die Stellen nach, in denen die Frauen dem kleinen Korsen die Heiratsanträge abschlagen, während sie sich beim großen Kaiser die Türklinke in die Hand drücken. Die Macht als Aphrodisiakum – da können auch Mittelschüler/innen nur schmunzeln.

Schwierigkeiten bereiten den Schülerinnen und Schülern die vieldeutigen Begriffe, z. B. der Begriff „Freiheit“, um nur einen zu nennen. Schließlich verstehen die Franzosen etwas ganz anderes darunter, als es die Tiroler dann tun, und dass man, wie es bei Andreas Hofer der Fall ist, mit fast allen gewonnenen Schlachten einen Krieg verliert... Tirol war „halt nur“ ein Nebenschauplatz der großen Politik.

So bietet dieses Thema viel Diskussionsstoff, und wenn Schüler/innen von sich aus beginnen, die Geschehnisse zu hinterfragen, dann darf man als Lehrer/in die Klasse mit der berechtigten Hoffnung verlassen, etwas bewegt zu haben.

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