V.A.S.
Lieber Kolleginnen und Kollegen!
Nach langen Besprechungen und vielfachem Kopfzerbrechen sind wir schließlich zu einer Erkenntnis gelangt, die uns eine neue Strategie zur Abschaffung der Schule nahelegt!
Aber lassen Sie mich vorweg einige Beobachtungen, die zu diesem Lösungsansatz geführt haben, umreißen: In einer Zeitung von nationaler Bedeutung wurden letzthin die Ergebnisse jahrzehntelanger Studien veröffentlicht: Lehrpersonen gehören zur Kategorie der gestressten, outgeburnten und obendrein selbstmordgefährdeten Menschen. Auch das noch. Wissen Sie, was das finanziell bedeutet? Es meinte ja schon der gute Kaiser Franz Josef, wenn die Lehrer nicht ihre drei Monate Ferien hätten, müsste er früher oder später allen eine psychiatrische Betreuung bezahlen und das würde den Staat dann noch mehr kosten.
Aber wenn dem so ist, noch Risikogruppe und so, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man jagt den Lehrern unauffällig, aber gehörig Angst ein und dieser leidige Berufsstand wird sich von selbst erledigen, oder man untergräbt ihn langsam und subtil.
Da hat ja nun das Ministerium einen echten Kunstgriff hingelegt: Wenn die Abschlussprüfung erst Ende Juni beginnt und die Aufholkurse Ende August stattfinden, dann ist endlich Schluss mit diesen unhaltbaren Zuständen. Die restlichen paar Wochen des müßigen Nichtstuns werden wir auch noch erledigen. Wie wärs mit Pflichtkursen zu Arbeitssicherheit?
Was brauchen wir eigentlich überhaupt Lehrer? Die sind ja ohnehin Auslaufmodell und müssen ihre Rolle aufgeben, denn sie sind ja nun eigentlich mehr so Lern-Trainer. Und wenn dann die Ergebnisse nicht passen, feuern wir den Trainer, das ist im Fußball schon lange so.
Ich würde sagen, wir können mit unserer Arbeit im V.A.S. zufrieden sein. Hochachtungsvoll Ihr Ehrenfried Schullerer |
Satire |
|---|