Schulführung und Demokratie
Seit sich Schulen autonom entwickeln können, ist die Art der Führung neu zu gewichten. Entscheidend ist, ob auch die Lehrerinnen und Lehrer – und nicht nur diese, sondern auch Schülerinnen, Schüler und deren Eltern – sich durch Mitsprache und Mitgestaltung einbringen, sich für die Entwicklung der Institution engagieren und sich mit ihrer Schule auch identifizieren (wollen). Schulen bedürfen sowohl der Steuerung als auch der Mitgestaltung. Für das Arbeiten am Organisations-system wurde der Begriff „Leadership“ geprägt. Dieses basiert auf grundlegenden persönlichen und charakterlichen Eigenschaften, über die eine Führungskraft verfügen sollte; es ist mehr als Management und gelingt nur mit einem ideell verbundenen Team. Eine gute Schulführungskraft entwickelt eine Vision, deren Kraft sie beflügelt, die ihrer Haltung und den von ihr gesetzten Handlungen auch Kohärenz gibt. Dass sie möglichst viele Menschen in ihrem Umfeld für die Erreichung deklarierter Ziele gewinnt, in anderen die Motivation zu wecken versteht, wieder andere trotz oder gerade wegen ihres Widerstandes ernst zu nehmen weiß, bei unterschiedlichsten Vorstellungen einen gemeinsamen Konsens anstrebt, ist hohe Kunst der Menschenführung, die vieles in Bewegung bringt. Die ideale Voraussetzung ist eine Organisationsstruktur und -kultur, in der Achtung, Vertrauen und Ermutigung erlebbar sind. Die Führungskraft befindet sich in einer Schlüsselrolle. Die Werte der Schule sollten die Werte der Demokratie sein. Dazu bedarf es einer klaren Führung auf allen Ebenen, im Kollegium ebenso wie in Klassen und Gruppen und immer auch der eigenen Person. Sich selbst führen, Verantwortung für sich selbst übernehmen – das darf niemals hintenan stehen! Dies kann nur bedeuten, dass Kinder und Jugendliche Verbindlichkeit und klare Regeln kennen oder kennen lernen, dass sie aber auch erfahren, in welchen Bereichen Gestaltungsfreiheit gegeben ist, damit sie Eigeninitiative entwickeln können. Die Schule eignet sich hervorragend als Lernfeld für demokratisches Handeln, wo Aushandlungsprozesse auf der Tagesordnung stehen und Entscheidungsfindungen gemeinsam erfolgen. Dabei kann Leitungs-kompetenz geübt, Gruppengeschehen beobachtet und bewusst gestaltet werden. Es geht hier immer um konkretes Lernen miteinander und voneinander, mit jeweils angemessenen Anteilen an Eigenverant-wortung – Lernen, das für sich betrachtet immer eine höchst individuelle Angelegenheit ist, die uns niemand abnehmen kann. Neues Lernen geht in diese Richtung; die Werte der Demokratie fließen ein in Lernsettings und in Bildungsprozesse. Und gerade in der Schule sollte es auch gelingen, die Angst der Erwachsenen vor dem Neuen der Heranwachsenden zu mäßigen. Die Erwachsenen – ich denke hier unter anderem auch an politische Verantwortungsträger/innen – sollen Heranwachsende an ihrer Sicht der Welt und an den zukünftigen Aufgaben, die in der Welt anstehen, beteiligen, ohne sie dabei der eigenen Sichtweise unterordnen zu wollen. So hat sich jüngst eine kleine Lernberatungsszene des Dokumentarfilms „Ein Lehrer macht Schule“ mit Erwin Grüner und seinen Schülerinnen und Schülern in Karthaus fest in meinem Gedächtnis verankert. Darin zeigt sich, was es braucht, damit Mündigkeit – der belebende Nährhumus der Demokratie – entsteht und zunimmt. Maria Vötter , Redakteurin |
frei heraus gesagt |
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