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Verwalter - Gestalter - Oberlehrer? „Der Direktor im Zwiespalt zwischen Didaktik und Verwaltung?“ war der Arbeitstitel für meinen Beitrag. Diese Formulierung scheint einen fast unlösbaren Gegensatz zwischen zwei Aufgabenbereichen eines Schuldirektors/einer Schuldirektorin zu suggerieren. Wer die Rolle als Schulführungskraft aber gut erfüllen will, wird beide Aufgaben – die pädagogische Führung und die Organisation – sinnvoll miteinander verknüpfen müssen. von
Anton Ladurner
Das Hauptaugenmerk ist meines Erachtens auf die pädagogische Führung zu legen. Das heißt für mich: Wie können wir als Schule unserem Bildungsauftrag am besten gerecht werden? Wie können wir – unter Berücksichtigung der Vorgaben des Lehrplans und der Ziele des Schulprogramms – unseren Schülerinnen und Schülern die bestmögliche Förderung gewährleisten? Im Zentrum der Bemühungen stehen also päda-gogische, didaktische und methodische Überlegungen zur Gestaltung des Unterrichts in all seinen Aus-prägungen. Lehren und Lernen erfolgen aber nicht im luftleeren Raum, sondern erfordern Rahmenbedingun-gen, die man als Schuldirektor/in mehr oder weniger stark beeinflussen kann. Die Auswahl der Lehrpersonen, die Hauptgaranten für guten Unterricht, steht zurzeit weitgehend außerhalb der Beeinflussung eines Direktors. Diese erfolgt nach wie vor aufgrund von Kriterien, bei denen die fachliche und didaktische Qualifikation in Bezug auf das jeweilige Schulprogramm und Schulprofil nicht explizit gefordert sind. Obwohl man als Direktor/in indirekt einen gewissen Einfluss auf die Wahl der Stelle ausüben kann (indem man z. B. eine Stelle mehr oder weniger „attraktiv“ gestaltet), entscheiden letztlich vor allem Dienstalter und Familiensituation. Andere Elemente, die guten Unterricht und ein gutes Arbeits- und Lernklima fördern, können vonseiten des Direktors stärker beeinflusst werden. Die schulinterne Organisation und Verwaltung, die Bereitstellung von Lehrmaterialien und finanziellen Ressourcen, die Gestaltung der schulinternen Kommunikation und die Beziehungen nach außen sind zwar ebenfalls mehr oder weniger stark von externen Faktoren abhängig, doch gibt es diesbezüglich viel Handlungsmöglichkeit, die man meines Erachtens im Interesse eines guten Schulbetriebes intensiv nutzen kann und soll. Alle diese Tätigkeiten, die rein formal nicht in die Rubrik „Didaktik“ fallen, können also zu einem für Lehrpersonen und Schüler/innen förderlichen Umfeld beitragen. Meine ErfahrungenWie viel Zeit verwende ich für Didaktik und Verwaltung/Organisation? Da ich kein detailliertes Tagesbuch führe, können die folgenden Ausführungen nicht mit genauen statistischen Zahlen belegt werden. Von reinen Verwaltungsarbeiten werde ich an meiner Schule weitgehend verschont, weil im Sekretariat sehr kompetente, selbstständige und gewissenhafte Mitarbeiterinnen tätig sind. Die Informationsflut macht jedoch auch mir zu schaffen. Allein das Sichten und Überfliegen der eingehenden Post (für deren Protokol-lierung und Weiterleitung an die Adressaten eine Mitarbeiterin in der Regel fast einen ganzen Vormittag benötigt!) nimmt oft eine Stunde in Anspruch. Trotz ständiger Ankündigungen, die Bürokratie abbauen zu wollen, nimmt die Zahl an Rundschreiben und Mitteilungen jährlich zu. Dazu kommt, dass die Regierungen in Rom die rechtlichen Bestimmungen (Beispiele: Nachprüfungen, Betragensnoten) in immer kürzeren Abständen ändern. Der Bereich der Arbeitssicherheit ist ebenfalls ein sehr weites und mit vielfältigen Auflagen und Strafen vermintes Feld, in dem man sich sehr lange aufhalten könnte. Ich gestehe, dass ich diese Frage weit-gehend einem kompetenten Mitarbeiter übertragen habe, weil ich als Direktor und Verwahrer zwar für die Sicherheit verantwortlich bin, aber den Aufwand für diesen Bereich möglichst gering halten möchte. Die organisatorischen Arbeiten (Terminplan, Stundenplan, Plansoll, Klasseneinteilung und Zuweisung der Lehrerstellen, Schulveranstaltungen) nehmen vor allem zu Schulanfang und zu gewissen Anlässen (Schulball, Konzerte, Ausflüge, Praktika) relativ viel Raum ein. Allerdings werden auch diese Arbeiten zu einem großen Teil vom Sekretariat oder von entsprechenden Arbeitsgruppen (z. B. Stundenplan) erledigt. Hilfreich sind diesbezüglich die Besprechungen mit den Mitarbeiterinnen im Sekretariat, die vierzehntägig stattfinden. Mit meiner Stellvertreterin treffe ich mich in der Regel einmal wöchentlich zu einer einstündigen Aussprache, bei der neben organisatorischen auch pädagogisch-didaktische Fragen erörtert werden. Nicht direkt als didaktische Tätigkeit, aber als wichtigen Beitrag zur Schulentwicklung und zur Förderung der Zusammenarbeit mit den Eltern sehe ich meinen Beitrag bei der Erstellung unserer Schulzeitung „notitiae“, die 4-5 mal im Jahr erscheint und jedes Mal ein bis zwei Arbeitstage erfordert. Am meisten Zeit verwende ich für Besprechungen mit Schülern, Lehrpersonen, Mitarbeiterinnen der Verwaltung und Eltern. Diese Besprechungen sind zum Teil geplant (Informationen für neue Lehrkräfte, Zielvereinbarungen, Vereinbarungen betreffend Jahresplan oder Probejahr, Rückmeldungen zu Klassen-besuchen, Informationen über Lernentwicklung oder Verhalten), oft „spontane“ Gedankenaustausche auf den Korridoren, im Lehrerzimmer oder in der Cafeteria der Schule. Da wir alle 27 Klassen in einem Gebäude versammelt haben, gibt es immer wieder Gelegenheit für mehr oder weniger ausführliche Gespräche zu organisatorischen und zu pädagogisch-didaktischen Fragen. Auch hier gibt es einige Schwerpunkte wie Integration von Schülern mit Funktionsdiagnose, Übertritte in den ersten Klassen sowie Vorbereitung von Projekten und Veranstaltungen. Mehr als andere Jahre habe ich heuer Klassenbesuche durchgeführt; allerdings habe ich es trotzdem nur geschafft, in allen sieben ersten Klassen jeweils einen halben Vormittag anwesend zu sein und bei den drei Lehrpersonen im Probejahr je drei Stunden mitzuverfolgen. Diese Beobachtungen sind aber unerlässlich, wenn man als Direktor die Besprechungen im Klassenrat mitverfolgen und wichtige Entscheidungen mittragen oder nachvollziehen will. Ich versuche, bei möglichst allen Klassenratssitzungen dabei zu sein und auch die Bewertungskonferenzen des ersten und zweiten Halbjahres leite ich selber. An den Besprechungen der Fach- und Arbeitsgruppen nehme ich nur unregelmäßig teil; es gibt Bereiche, die ich sehr intensiv mitverfolge und mit gestalte (Integration, Bibliothek, Evaluation, Schulball, Schulentwicklungsprojekte), bei anderen hingegen ist nur eine Information an Hand der Protokolle oder von Besprechungen mit Fach- und Arbeitsgruppenleitern möglich. Die Sitzungen von Arbeitsgruppen oder Besprechungen am Schulamt beanspruchen monatlich ca. 8 Stunden und sind vorwiegend Fragen der Schulentwicklung gewidmet. Trennung Lehre – Schulführung überdenken? Im Unterschied zu anderen Ländern unterrichten die Direktor/innen in Italien in der Regel nicht. Manchmal wird das als Nachteil bezeichnet, weil die Gefahr bestehe, dass man den Einblick in den Unterrichtsalltag verliere und sich zu sehr auf die Verwaltungstätigkeiten konzentriere. Allerdings hat die Direktorin/der Direktor als für den „Betrieb“ Schule Verantwortliche/r eine Rolle und Funktion inne, die mit der bei einigen Lehrpersonen nach wie vor präsenten Vorstellung des „primus inter pares“ nicht mehr übereinstimmt. Schulführung heißt nach meinem Verständnis nicht, sich in eine abgehobene Position zu begeben. Sie kann aber auch nicht in der Rolle eines Oberlehrers erledigt werden.
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