Verwandtes getrennt

Kunst und Technik in der Grundschule

Zwei Fächer in der Schule. EIN großes gemeinsames Ziel: Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, persönliche Neigungen und Fähigkeiten zu erkennen, weiter zu entwickeln und sie in ihrer ganzheitlichen Entwicklung zu unterstützen und ihnen Orientierung zu geben.

von Elisabeth Wieser

Es ist gut, dass wir nun zwei Unterrichtsstunden pro Woche für die Fächer Kunst und Technik zur Verfügung haben. So können auch umfangreichere und zeitaufwändigere Arbeiten ausgeführt werden. Doch ist es in der Grundschule sehr schwierig, die beiden Bereiche Kunst und Technik so voneinander zu trennen, dass wir beide Fächer getrennt bewerten können. Der Umgang mit Werkzeug, der sachgerechte Einsatz von Materialien und das Wissen um deren Beschaffenheit sind Voraussetzung für einen künstlerisch-kreativen Schaffensprozess. Umgekehrt ist es nicht möglich, Werkzeug und Materialien gezielt einzusetzen, wenn kein Wissen über die Wirkungskraft von beispielsweise Farben und Formen vorliegt. Die getrennte Bewertung widerspricht der ganzheitlichen Sicht des Kindes in seiner Entwicklung und Entfaltung.

Ausdruck von Gedanken und Gefühlen

Es ist meiner Meinung nach wichtig, dass Kinder mit Techniken, Materialien und Werkzeugen im „geschützten Rahmen“ einer angeleiteten Arbeit in Kontakt kommen, damit sie eine breite Palette an Fertigkeiten und Fähigkeiten erwerben können. Erst mit dieser guten Ausstattung können Kinder – und auch wir Erwachsenen – eintauchen in eine kreative Tätigkeit, Stimmungen, Gedanken und Gefühle ausdrücken und vielleicht sogar eine Liebe zum Gestalten entdecken, die dann auch in der Freizeit gepflegt wird. Diese Grundvoraussetzungen sind notwendig, denn „im Chaos der Grenzenlosig-keit kann nichts bestehen“, betont Maria Montessori.

Taktile Erfahrungen sammeln

Ein Punkt in den Rahmenrichtlinien beim Fach Kunst macht mich nachdenklich: „Mit technisch-visuellen Medien zeich-nen, malen und gestalten – Software zum Zeichnen und Malen“. Bereits in der 1. Klasse ist diese Kompetenz angeführt. Ist es wirklich so wichtig, dass Kinder schon in der  Grundschule am Computer zeichnen, malen und gestalten? Ist es nicht sinnvoller, dass Kinder mit den Händen aktiv sind und taktile Erfahrungen sammeln? Ich bemerke, dass nur mehr wenige Kinder außerhalb der Schule die Möglichkeit haben, ihre Fingerfertigkeit beim Formen mit Plastilin, beim Kneten des Teiges, beim Aufwickeln von Wolle, beim Einfädeln einer Nadel, beim Spielen mit Lehm usw. zu trainieren. So kommt es, dass ich bei meinen Schülerinnen und Schülern leider eine immer weniger gut ausgeprägte Feinmotorik feststellen muss. Dass sich dies auch auf andere Fachbereiche auswirkt, muss ich an dieser Stelle nicht betonen. Gerade deshalb ist es mir wichtig, für die  Kinder in diesem Bereich vielfältige Angebote zu schaffen.

So hoffe ich, dass meine Schülerinnen und Schüler und ich auch weiterhin so viel Spaß am kreativen Arbeiten haben wie bisher – egal ob im Fach Kunst oder Technik.

   

   

Elisabeth Wieser ist

Lehrerin in Bozen/Gries

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KUS

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