Mit Climobile Klima schützen

Schüler/innen bauen für eine mobile und saubere Zukunft

 

Jedes Jahr wird an der Gewerbeoberschule Meran für die zweiten Klassen ein technsiches Projekt durchgeführt. Im letzten Schuljahr brahcte Physiklehrer Walter Bernard den Vorschlag, ein muskelbetriebenes Gefährt mit Elektrounterstützung zu entwerfen und zu bauen: das "Climobile".

von Johannes Kofler

Die Idee ist weder neu noch revolutionär. Ähnliche Produkte sind sogar schon auf dem Markt erhältlich, etwa die beliebten „Frisbee“-Räder. Doch gibt es konzeptionell einige Unterschiede: zum einen sollte das Gefährt vier Räder haben und Platz für zwei Strampler bieten. Zum anderen wird bei diesem Modell umso mehr elektrische Leistung eingespeist, je mehr die Fahrer treten. (Bei handelsüblichen Geräten muss keine echte „Eigenleistung“ erfolgen, damit der Motor läuft.) Das Grundprinzip lautet also: Die Technik hilft dir gerade soviel, wie du selbst dazutust. Und das ist auch der pädagogische Hintergedanke: Die Schüler/innen bekommen einen Denkanstoß zur modernen Mobilität, die nämlich in Zukunft mehr Selbsteinsatz fordert. Nur Gas zu geben, wird nicht mehr so einfach drin sein, ist Walter Bernard überzeugt.

Keine Utopien aufbauen

Das Ziel scheint hochgesteckt. Doch die Betreuer wollen keine utopischen Visionen verfolgen. Ein markt-fähiges Endprodukt wird gar nicht angestrebt. Ziele müssen für die Beteiligten erreichbar, Erfolge machbar sein, damit die anfängliche Motivation nicht in den Keller sinkt. Wichtig ist schließlich die Identifikation der Teilnehmer mit dem Projekt. Daher müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden:

  • die Technologie muss einfach sein;
  • es darf nicht zu viel kosten;
  • die Materialien müssen einfach zu bekommen sein;
  • der Zusammenhang zum Unterricht muss gegeben sein.

Theorie und Praxis

Gerade der letzte Punkt ist besonders zu betonen. Schließlich handelt es sich nicht um Zeitvertreib aus Spaß an der Sache, sondern um ein Schulprojekt. Also sollen Inhalte des Unterrichts im Projekt konkret umgesetzt werden. In diesem Fall sind die Fächer Technisch Zeichnen, Mechanik, Physik, Elektronik und Technologie mit eingebunden. Konkret: In Technisch Zeichnen werden am Computer Pläne erarbeitet, richtig vermaßt, exportiert und im Werkstattunterricht (Technologie) schließlich hergestellt. Alle Arbeits-schritte sind Inhalte des Regelunterrichtes. Z. B. ist das Schweißen theoretischer Gegenstand in Technolo-gie, hier lernen die Schüler den tatsächlichen Umgang mit Sauerstoff und Co. In Physik werden theoretische Grundlagen gelegt, etwa rund um die Leistung der menschlichen Muskeln und des elektrischen Motors. Im Fach Elektronik erarbeiten die Schüler/innen die komplexe elektronische Steuerung. Auch hier muss man aber auf die Bremse treten, denn es würde die Schüler/innen überfordern, die Konstruktion selbst zu erarbeiten. Das erfordert viel Know-How, Erfahrung, Konzentration und Durchhaltevermögen. Daher sind Vorgaben von den Lehrkräften notwendig – das erfordert eine gewisse Zeitinvestition im Vorfeld.

Die Technik

Die Eckdaten des Fahrzeugs sind:

  • Zwei Plätze;
  • basierend auf konventioneller Fahrradtechnik;
  • 500 Watt maximale Motorenleistung;
  • vorgefertigte Radnabenmotoren;
  • eingebauter Leistungsmesser, der gerade so viel Leistung zusteuert, wie von den Fahrern an den Pedalen geleistet wird.
Insgesamt kann das „Climobile“ damit max. 1 KW leisten, je nach Fittness seiner Piloten. Um Einfachheit zu garantieren und die Kosten niedrig zu halten, werden einfache Komponenten aus recycelten Fahrrädern verwendet, etwa Gabeln oder Teile des Rahmens. Sie werden mit neuen, selbst gebauten Komponenten verbunden, etwa Profileisen. Das führt dazu, dass das Gerät sehr schwer wird, vermutlich mehrere hundert Kg. Wieder heißt die Devise: kleinere Brötchen backen, damit das Ganze realisierbar bleibt. Aluminium brächte zwar einen riesigen Gewichtsvorteil, allerdings stiegen damit die Kosten, außerdem könnte dieses Material nicht mehr in der schuleigenen Werkstatt geschweißt werden – zu hohe Temperaturen wären gefordert.

Die Kosten

Obwohl großteils auf leicht verfügbare, billige oder sogar kostenlose Materialien geachtet wird, entstehen Kosten von einigen 100 Euro. Die Projektgruppe suchte dafür Sponsoren, die entweder Geld (Volksbank) oder Komponenten (Flarer) zur Verfügung stellen. Zudem erwies sich die Zusammenarbeit mit der Berufs-schule als fruchtbringend: Teile, die für eine Gewerbeoberschule zu komplex oder zu groß sind, werden von den Schüler/innen dort als Übungsstücke angefertigt.

Die Umsetzung

Das Projekt ist als mehrjähriges Förderprojekt angelegt. Das heißt, die Teilnehmer arbeiten freiwillig am Nachmittag am PC oder in der Werkstatt. Das garantiert motivierte Schüler. Da das Projekt sehr komplex ist, ist eine Realisierung in einem Jahr unmöglich. Daher wurde es auf eine Dauer von etwa drei Jahren angelegt. Heuer läuft das zweite Projektjahr. Damit der Faden nicht verloren geht, sind konkrete, greifbare Etappenziele wichtig. So konnte der Rahmen Ende des letzten Schuljahres auf die Räder gestellt werden – eine Motivationsspritze für alle. Dennoch gibt Walter Bernard zu, dass das Risiko eines Scheiterns dem Projekt immanent sei. „Wir wissen nicht genau, ob unser „Climobile“ am Ende wirklich so fährt, wie wir uns das vorstellen.“ So müssen Erwartungen niedrig gesteckt sein, und es gilt das Motto: „Der Weg ist das Ziel!“ Der derzeitige Stand ist jedenfalls vielversprechend.

 

 

PRAXIS