Klare Grenzen aufzeigen

Bei Mobbing ist konsequentes Eingreifen nötig

Mobbing (engl.: to mob = anpöbeln, schikanieren) ist eine spezielle Form von offener oder subtiler Gewalt, die überall stattfinden kann, Mädchen und Jungen - aber auch Erwachsene - aller Altersstufen betrifft und verschiedene Ausprägungen annimmt.

von Lukas Schwienbacher und Maria Masoner

Gemeint sind damit nicht harmlose Hänseleien oder sachliche Konflikte unter Gleichaltrigen, sondern bös-artige und wiederholte Übergriffe verbaler oder körperlicher Art durch eine oder mehrere Personen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Ziel von Mobbing ist es, einen anderen absichtlich zu erniedrigen und zu demütigen und letztlich den Effekt der Isolation bzw. des Ausschlusses auszulösen. Mobbing kann sich entwickeln, wenn erste Übergriffe nicht rechtzeitig gestoppt werden. Involviert können unterschiedli-che Personen sein: ein Mobbingopfer, ein Mobber oder eine Mobberin, Mitläufer/innen oder Helfer/innen, Zuschauer/innen, die es billigen oder ignorieren, Eltern, Lehrpersonen u.a.

Mobbing kann sich in sehr unterschiedlichen Formen manifestieren:
  • körperlich:
Verprügeln; Beschädigung bzw. Verstecken von Gegenständen; Erpressung z.B. von Geld, Pause, Leistungen wie z.B. Hausaufgaben verlangen; Nötigung; Bedrohung (mit Waffen) usw.
  • verbal:
Lästern; Auslachen; ungerechtfertigte Anschuldigungen; Gerüchte verbreiten; entnervtes Stöhnen von Mitschüler/innen im Unterricht, wenn ein(e) Schüler/in etwas nicht versteht; Demütigungen mit Zetteln, Handy usw.
  • stumm:
Mitschüler/innen werden verachtet, aus der Klassengemeinschaft oder von Sportaktivitäten ausgeschlossen.

Jungen und Mädchen haben meist unterschiedliche Arten zu mobben. Jungen neigen eher zu einer offenen, aggressiven Art wie körperlichen Übergriffen; Mädchen bevorzugen dagegen eher indirekte, subtile Formen wie etwa Manipulation, Verbreitung von Gerüchten, Geheimnisse ausplaudern, soziales Ausgrenzen u.a.

 

Opfer von Mobbing kann prinzipiell jede/r werden, eher gefährdet sind aber Jungen und Mädchen, die in irgendeiner - oft auch nur geringen Form - von der Norm abweichen, z.B. durch Herkunft, Sprache, körper-liche Merkmale, Beeinträchigungen, sozialen Status usw. Auch besonders engagierte und leistungsorien-tierte oder eher introvertierte Schüler/innen zählen oft zu den Opfern.

 

Mobbingvorfälle laufen im Allgemeinen verdeckt ab – im Klassenzimmer, auf dem Schulhof, in Umkleide-räumen, auf dem Heimweg, an den Bushaltestellen, im Internet und sind demzufolge für Lehrpersonen oft schwer wahrnehmbar. In einigen Fällen können auch Lehrer/innen Anteil am Entstehen von Mobbing ha-ben, manchmal sogar aktiv am Mobbing-Prozess teilnehmen oder selber davon betroffen sein.

 

Werden Mobbingvorfälle an der Schule bekannt, gilt es für Lehrpersonen sofort und konsequent einzugrei-fen. Es gibt ein breites Spektrum von möglichen Interventionen, die jeweils der speziellen Situation bzw. der Art und dem Ausmaß des Vorfalles angepasst werden sollen. Einige Maßnahmen können auch im Vor-feld im Sinne einer Prävention eingesetzt werden:

Konkrete Taten setzen - statt tatenlos zusehen

  • Beobachten Sie Schüler/innen auch außerhalb der Unterrichtsstunden, denn Mobbingprozesse sind meist schwer wahrnehmbar. Suchen Sie dabei auch das Gespräch mit Kollegen/Kolleginnen, dies erleichtert die Einschätzung von Situationen.
  • Setzen Sie klare Grenzen und vereinbaren Sie Klassenregeln für den Umgang miteinander.
  • Machen Sie Mobbing zum Thema, z.B. in Klassenarbeiten und –konferenzen.
  • Reagieren Sie, ansonsten fühlen sich „mobbende Menschen“ bestärkt, und die Opfer wagen es nicht, bei Ihnen Hilfe zu suchen.
  • Regen Sie beim mobbenden Kind einen Perspektivenwechsel an. Es soll versuchen, sich in die Rolle des gemobbten Kindes hineinzuversetzen.
  • Ermutigen Sie die Schüler/innen, sich für andere einzusetzen. Machen Sie klar, dass es richtig ist, über Mobbingvorfälle zu berichten.
  • Unterstützen Sie das gemobbte Kind. Sagen Sie jenen, die mobben, dass Mobbing nicht akzeptiert wird.
  • Machen Sie Mobbing unwahrscheinlich, indem Sie eine positive Gesprächskultur fördern, Konflikt-fähigkeit verbessern sowie Empathie und Zivilcourage üben.
  • Pflegen Sie selbst einen wertschätzenden Umgang mit Ihren Schülern/Schülerinnen sowie mit Ihren Kollegen und Kolleginnen und reflektieren Sie auch immer wieder, wie Sie selbst die Themen Wert-schätzung und Abwertung leben. (Vorbildfunktion)
  • Nehmen Sie bei Bedarf externe Unterstützung wie etwa Schulberatung in Anspruch.
  • Kontaktieren Sie die Eltern sowohl des Opfers als auch des Mobbers oder der Mobberin und überlegen Sie gemeinsam das weitere Vorgehen.

Über den Dingen stehen

  • Stellen Sie das Opfer und den Mobber oder die Mobberin nicht vor der ganzen Klasse zur Rede bzw. in den Mittelpunkt; die ganze Klasse ist in irgendeiner Form am Mobbingprozess beteiligt, d.h. alle müssen in die Klärung einbezogen werden.
  • Machen Sie keine Schuldzuweisungen und e rgreifen Sie nicht Partei, sondern hören Sie sich beide Seiten an.

Für einen effizienten Umgang mit Mobbing ist es wichtig, die Eltern der betroffenen Mobber/innen bzw. der gemobbten Schüler/innen einzubeziehen.

Eltern der Mobber/innen kennen das Mobbingverhalten ihres Kindes meist nicht und können sich dieses oft auch nicht erklären. Manchmal unterstützen sie den Mobbingprozess sogar, indem sie die Situation baga-tellisieren oder nicht eingreifen. Oft geraten sie auch in eine Defensivposition, anstatt sich konstruktiv an der Lösung des Problems zu beteiligen.

Eltern von Mobbingopfern dagegen unterschätzen oft die Tragweite des Problems oder fühlen sich sehr hilflos.

 

Die Schulleitung kann Maßnahmen zur Vorbeugung von Mobbing setzen. Ziel ist es, Rahmenbedingungen für ein grundsätzliches Klima der Fairness zu schaffen, denn Schule soll ein Ort sein, an dem individuelles Wohlbefinden sowie gelingende soziale Beziehungen möglich sind.

Rückhalt von der Schulleitung

Auch die Schulleitung kann aktiv eingreifen:

  • Positionieren Sie sich auf Schul- und Klassenebene klar gegen Mobbing und Gewalt.
  • Fördern Sie demokratische Regeln und Strukturen.
  • Fördern Sie klassen- und altersübergreifende Aktionen. Diese tragen zur Beziehungsförderung unter den Schülerinnen und Schülern bei.
  • Sorgen Sie für ausreichend Bewegung und stressfreie, entspannende Momente.
  • Entwickeln Sie mit allen Beteiligten eine Anti-Mobbing-Strategie: Was tun wir beim Auftreten von Mobbing? An wen kann sich ein Mobbingopfer wenden? Welches sind die Konsequenzen für die Beteiligten?

In schwerwiegenden Situationen (z.B. Einsatz von Waffen) sollten Sie unbedingt die Polizei rufen.

 
 

Lukas Schwienbacher ist Pädagoge, Mediator und Suchtberater sowie Mitarbeiter im Forum Prävention.

 

Maria Masoner ist Psychologin und Mitarbeiterin im Forum Prävention

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