Das war einprägsam.

Meine Großmutter hat mich stark geprägt.

Die Ausprägung seines Charakters ist auffallend.

Präge dir das mal ein!

Wovon war denn deine Kindheit geprägt?

Das hat einen prägenden Eindruck in mir hinterlassen!

Wir sind in unserem Leben von vielen Einflüssen geprägt worden. Auf die genetische Basis, die wir be-reits bei unserer Geburt in uns tragen, setzen sich Erfahrungen, Beobachtungen, Gefühle, Verletzungen, Gelerntes – eben die Prägungen eines menschlichen Lebens. Ob nun Vererbung oder Prägung eine indi-viduelle Persönlichkeit stärker ausformen, ist Gegenstand von zahlreichen wissenschaftlichen Debatten und bis heute nicht ganz geklärt. Sicher ist nur eines: Beide stehen in einer komplexen Wechselwirkung. Die Persönlichkeit eines Menschen lässt sich nicht eindimensional erklären.

Wer im Schulbereich tätig ist, muss sich mit diesen Zusammenhängen auseinandersetzen. Lehrpersonen bekommen keine „tabula rasa“ in die Klasse gesetzt, die dann mit Inhalten gefüllt wird. In der Vergan-genheit war dieses Bewusstsein wenig geschärft. In der Ausbildung von pädagogischem Fachpersonal spielte die Psychologie bisher eine eher untergeordnete Rolle. Dabei kann uns die intensive Auseinander-setzung mit der Entwicklungspsychologie und der Psychologie des Lernens in der Klasse ganz konkret helfen.

Besonders heikel und mit Tabus überfrachtet ist der psychiatrische Bereich. Immer häufiger hören wir von Störungen, sozial schwierigen Fällen, Ausgrenzungen, Abweichungen… Hat man solche Schwierig-keiten früher nur nicht wahrgenommen, sie totgeschwiegen? Oder haben Kinder und Jugendliche heute wirklich zunehmende Probleme? Wenn man auf den steigenden Bedarf im Bereich der Psychohygiene blickt, muss man besorgt sein. Noch besorgter bin ich allerdings, wenn ich beobachte, was Kindern mit „abweichendem“ Verhalten blüht: von Gutachten über Medikamente bis zur Unterbringung in de facto geschlossenen Häusern. Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie Schüler/innen hatten, die zum auf-fälligen „Objekt“ und mit psychologischen Gutachten unterschiedlichster Art versehen wurden? Warum nur kann oder muss es so weit kommen? Wurden stille Hilferufe überhört, frühe Signale übersehen, nicht beachtet oder weggeleugnet?

Wir leben im Zeitalter der Psychotherapie; Notlagen der Psyche dürfen nicht verdrängt und tabuisiert werden. Jedoch löst man solche Aufgaben nicht mit der Erstellung von Profilen und dem Verabreichen von Sedativa.

Prävention tut not. Das hieße früh genug hinschauen auf Lebens- und Aufwachsbedingungen. Die Gesell-schaft insgesamt ist gefordert. Wir Erwachsene müssen die Verantwortung für die Kinder wahrnehmen.

  Johannes Kofler,Chefredakteur

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