Vorbilder und Modelle - Lernen durch Beobachten

 

Google ich den Begriff „Modell“, stellen sich mir 35 Millionen Informationen zur Verfügung. Schränke ich meine Suche auf „Vorbild“ ein, sind es immerhin noch 4 Millionen. Erst mit den Begriffen „Nachahmung“ und „Prägung“ wird die Informationsflut einigermaßen überschaubar.

von Ledi Turra Rebuzzi

Die Waldorfpädagogik bezeichnet Nachahmung als ihr Grundprinzip.

Auf http://www.waldorfkindergarten.de/deutsch/paedagogik/nachahmung.html finden wir, dass Kinder ein tiefgrei-fendes Interesse an den Vorgängen der Welt und große Freude oder Befriedigung daran haben, diese Vorgänge nach-zuahmen. Die Sinneseindrücke und deren Verarbeitung bilden das Gehirn des Menschen aus und legen damit die Grundlage für geistige und seelische Fähigkeiten. Beispiele zeigen, wie das Kind alles, was ihm vorgelebt wird, aufnimmt und verinnerlicht.

Der Beitrag auf http://www.psychology48.com/deu/d/nachahmung/nachahmung.htm unterstreicht, dass der wichtige Bereich der Nachahmung in der Anpassung des Einzelnen an die Mitmenschen liegt, mit denen er lebt. Das Beispiel der Eltern, Lehrpersonen und anderer Erwachsener ist in der Entwicklung des Kindes bedeutsamer als deklarierte Verbote und Gebote. Dabei geht es weniger um das Vorbild, das man den Kindern vor Augen stellen will, als um das Verhalten, das man ihnen tatsächlich zeigt. Es ist zum großen Teil eingebettet in die Traditionen und Gewohnheit en der jeweiligen Kultur und Gesellschaft oder der besonderen sozialen Schicht . Vorgestellt wird, wie sich Übereinstimmung und Abweichung auswirken. In der Masse z. B. folgen die Einzelnen ja nicht nur dem Beispiel einer übergeordneten Autorität , sondern tun, was alle um sie herum tun.

Die Seite http://www1.bpb.de/themen/X831P9,0,0 gibt Auskunft über die Bedeutung kollektiver Prägungen für den Umgang mit massiven kollektiven Gewalterfahrungen: „Wie eine Gesellschaft mit Verletzungen umgeht, d. h. wie stark die Verletzung empfunden wird und wie sie auf die Verletzung reagiert, habe, so P. Delhom, mit ihrem Selbstverständnis und mit ihrer kollektiven Identität zu tun.“

Die besondere Bedeutung des Vorbilds erläutert Hans Biegert in seinem Beitrag auf http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Kindheitsforschung/s_1527.html mit dem Titel „Auf das Vorbild kommt es an. Wie Kinder von Vorbildern lernen.“ Er schildert, wie unser Gehirn funktioniert, wie Lernen geschieht und beantwortet die Frage, warum Vorbilder so entscheidend sind. Neuesten Forschungen zufolge werden die neuronalen Verbindungen bereits bei visuellen oder akustischen Wahrnehmungen von Bewegung, die jemand anderes ausführt, aktiviert. Bereits durch die Beobachtung von Bewegungen, ja sogar durch die rein mental internale Vorstellung von Vorgängen werden spezifische Gehirnzellen der motorischen und sensomotorischen Rindenareale stimuliert und aktiviert. Vor-Bilder sind ebenso hirnwirksam wie autonomes Lernen. Zur Frage "Wieviel Vorbild braucht ein Kind?" stellt Biegert widersprüchliche Erwartungen und Verhaltensweisen von Erwachsenen einander gegenüber und fordert dazu auf, ein Umfeld zu schaffen, in dem "Kinderhirne das lernen können, was wir vorgeben, das sie lernen sollen."

Spiegelneuronen, die Spuren von Handlungen im Gehirn aufzeichnen, werden auch auf http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2007/0123/005_lernen.jsp thematisiert. „Lernen durch Beobachten“ nennt sich der Beitrag, der über die „Entdeckung“ der Spiegelneuronen berichtet und deren Bedeutung für das Lernen und für das mentale Training aufzeigt. Wegen ihrer grundlegenden und weit gefächerten Funktionen für Bewegen, Lernen, Soziales und Emotionen betrachten viele Wissenschaftler die Spiegelneuronen geradezu als Hardware für das Menschsein. Der amerikanische Hirnforscher Vilayanur S. Ramachandran, einer der weltweit bedeutendsten Wissenschaftler seiner Disziplin, hält die Entdeckung der Spiegelneuronen für eine Wende in der Hinrforschung. Sie seien, sagt er, "für die Psychologie das, was die Entdeckung des Erbmoeküls DNA für die Biologie bedeutete."

 

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