Aktion "Rund ums Lesen"

Leseförderung haben sich wohl die meisten Schulen aller Schulstufen auf ihre Fahnen geschrieben. Im Folgenden  wird die Aktion „Rund ums Lesen“ beschrieben, die anlässlich des „Tages der Bibliotheken“ am 24. Oktober 2011 am Gymnasium „Walther von der Vogelweide“ in Bozen zum zweiten Mal durchgeführt wurde.

von Priska Neulichedl

In den ersten Schulwochen werden alle Schüler/innen der ersten Klassen mit der Nutzung der Schulbibliothek vertraut gemacht. „Rund ums Lesen“ ist eine Aktion für diese Klassen und rundet die Einführungsphase sozusagen ab. Das Angebot möchte den Jugendlichen einen etwas anderen Zugang zum Thema „Lesen“ ermöglichen: Lesen wird nämlich nicht automatisch und ausschließlich mit Büchern gleichgestellt und ist nicht nur ein Anliegen des Sprachunterrichts. 

 

Schritt 1: Programm festlegen

Die Aktion wird gleich in den ersten Septembertagen im Bibliotheksrat besprochen und kurz darauf dem erweiterten Bibliotheksrat schmackhaft gemacht. Um Kolleginnen und Kollegen für die Aktion zu gewinnen, braucht es auch viele persönliche Gespräche. In den Fächern Deutsch und Italienisch wird in der Regel bereits Leseförderung betrieben. Wichtig ist, auch jene Lehrpersonen anzusprechen, deren Unterrichtsfächer etwas „bücherferner“ erscheinen, z. B. Sport und Bewegung sowie Sachfächer und Fächer aus dem Kunstbereich. Gerade diese Fachlehrkräfte können den Jugendlichen oft ungewohnte Perspektiven ins Thema „Lesen“ eröffnen.

 

Schritt 2: Anmelden

Sobald das Programm feststeht, erfolgt die Anmeldung. Das ist ein besonders heikler Punkt der Aktion: Wie muss der Anmelde-modus ausschauen, damit 200 Jugendliche möglichst ihr Wunschangebot besuchen können? Eine Anmeldeform, die allen gerecht wird, haben wir an unserer Schule (bis dato) leider noch nicht gefunden. Also hängen wir heuer gut sichtbar Listen im Foyer unserer Schule aus, auf denen die Schülerinnen und Schüler sich an einem festgelegten Tag in der Pause eintragen können. Natürlich hat auch dieses System Schwächen: Manche schleichen sich schon kurz vor der Pause ins Foyer, um ihren Namen auf die Listen zu setzen; andere tragen gleich die Hälfte der Mitschüler/innen mit ein. Und was passiert mit jenen, die an besagtem Tag krank sind oder sich gar nicht eingetragen haben? Dafür haben wir eine Lösung parat: Am 24. Oktober, an dem Tag also, an dem die Aktion „Rund ums Lesen“ stattfindet, sitzt eine Lehrperson sozusagen als Anlaufstelle für alle offenen Fragen und Probleme im Foyer der Schule. Dies wird den Schülerinnen und Schülern und allen am Projekt beteiligten Lehrpersonen vorab klar kommuniziert. Die Lehrpersonen erhalten im Vorfeld alle nötigen Informationen via E-Mail, und zwei Mitglieder des Bibliotheksrates gehen ein paar Tage vor dem Projekt vormittags durch alle ersten Klassen und stellen die Aktion kurz vor.

Schritt 3: Aktionstag gestalten

Am „Tag der Bibliotheken“ wird für alle ersten Klassen nach der zweiten Stunde der Unterricht aufgelöst. Nach einer kurzen Pause startet die Aktion. Die Jugendlichen begeben sich in die einzelnen Klassen und die 70-minütigen Workshops können beginnen.

Die 2. – 5. Klassen haben an diesem Vormittag regulären Unterricht. Sie können das Thema „Lesen“ zum Gegenstand des Unterrichts machen, indem sie über Lieblings- oder Antibücher sprechen, eine Stunde lang laut, leise… lesen etc. und das in allen Fächern; schließlich ist Lesekompetenz eine grundlegenden Kompetenz.

Hier eine kleine Auswahl aus dem Programmangebot:

  • Die bunte Welt der Podcasts: „Wer nicht lesen will… darf hören.“ Zu Beginn wird der Begriff „Podcast“ erklärt und ein Einführungsvideo angeschaut. Danach können die Teilnehmenden bereits herunter geladene Podcasts anhören bzw. ansehen oder im Internet mit Hilfe der angegebenen Links selbst nach Podcasts suchen.
  • Texts Alive – dramatic reading workshop: Plunge into another world, step into someone else’s shoes! Come and experience English texts with all your body. Make texts alive by improvising, reading out aloud and acting out short scenes!
  • Mit den Fingern lesen: In diesem Workshop erfahren die Teilnehmenden, wie man Blindenschrift mit der Hand und mit elektronischen Geräten schreibt und wie blinde Menschen das Problem der Lesbarkeit von Displays lösen.
  • Text wird Bild: Hier beschäftigen sich die Teilnehmer/innen mit der Gestaltung von Collagen u. a. aus Textfragmenten.
  • Gestalte dein Lesetagebuch: Die Teilnehmenden binden ein kleines Heftchen samt Umschlag, den sie selbst gestalten. Im Büchlein notiert jede/r die Bücher, die sie/er gelesen hat, schreibt vielleicht eine kleine Rezension hinein, benützt es als Dokumentation für verliehene Bücher etc.
  • Coole Texte für coole Orte: Die Teilnehmenden suchen ungewöhnliche Orte in Bozen auf, lesen oder rezitieren dort laut kurze Texte und zeichnen die Auftritte mit der Videokamera auf. Die Aufzeichnungen dienen für den Zusammenschnitt eines Films.
  • Bilder, die Geschichte(n) machen: Die Bibliothekarin gibt allgemeine Informationen zu Comics/Graphic Novels, zeigt ein Youtube-Video und präsentiert den Teilnehmenden ein paar ausgewählte Comics/Graphic Novels. Danach bietet sich die Möglichkeit, in die verschiedenen Comics hinein zu schmökern und einen Comic-Strip zu zeichnen.

Schritt 4: Evaluieren

Eines ist ganz klar: Die Rückmeldungen zur Aktion „Rund ums Lesen“ sind so unterschiedlich wie die Teilnehmenden und abhängig von den Erwartungen und Interessen der Schüler/innen. In Form von Fragebögen und persönlichen Gesprächen hat sich der Bibliotheksrat ein Feedback eingeholt und festgestellt:

Prinzipiell wählen Jugendliche zuerst jene Werkstätten, die kreative Ansätze bieten oder eher unübliche Themen beinhalten. Angebote aus Fächern wie Deutsch oder Italienisch, wo prinzipiell viel Leseförderung betrieben wird, erregen naturgemäß weniger Interesse. Werkstätten „funktionieren“ dann gut, wenn sie interaktiv angelegt und handlungsorientiert, sozusagen erlebnisorientiert sind.

Unbedingt diskutiert werden muss die Frage der Einbettung bzw. der Nachhaltigkeit von solchen Aktionen. Die Aktion „Rund ums Lesen“ soll von den Jugendlichen ja nicht nur als Abwechslung vom Schulalltag gesehen werden. Es gilt also, die Schüler /innen gezielt darauf vorzubereiten. Im Vorfeld könnten sie im Unterricht eine Recherche zum „Tag der Bibliotheken“ durch-führen, wozu sie ein Arbeitsblatt anleiten kann. Dokumentiert werden soll die Veranstaltung in der Bibliotheksmappe, die alle Schüler/innen der ersten Klassen anlegen und in der alle Unterlagen, Arbeitsblätter, Reflexionen, Fotos etc. rund um die Bibliothek abgelegt werden.

Weitere Infos zu Aktionen der Schulbibliothek finden sich unter dem Schulblog http://humgym.wordpress.com/

 

 

 

Priska Neulichedl unterrichtet am Gymnasium „Walther von der Vogelweide“ in Bozen und ist langjähriges Mitglied des Bibliotheksrates.  

 

PRAXIS