E-Books als neuer Zugang zum LesenLesen wird meist verstanden als eine an gedrucktes Material gebundene Aktivität. Mit den E-Books, die es seit einigen Jahren auf dem Markt gibt, eröffnen sich jedoch ganz neue Perspektiven. Selbstverständlich gibt es, wie meist bei so markanten Entwicklungen, heftige Kontroversen zwischen denen, die das E-Book als eine neue Chance für das Lesen sehen, und jenen, die befürchten, dass Bücher und Zeitschriften nun verschwinden würden. von Christian Laner Tatsache ist, dass in den USA beim größten Online-Buchhändler Amazon 2010 bereits mehr E-Books als Taschenbücher verkauft wurden. Berücksichtigt man zusätzlich, dass die Verlage in Italien nun dazu verpflichtet sind, ihre Schulbücher in digitaler Version verfügbar zu machen, wird klar, dass die Schule dieses Thema nicht ignorieren darf. Dennoch bedeutet dies nicht das Ende der gedruckten Werke, denn Bücher und Zeitschriften werden weiterhin ihren Platz einnehmen. Mit der Entwicklung der digitalen Bücher entstanden aber neue Möglichkeiten, die sich anbieten, unterstützt auch durch technische Entwicklungen verschiedener digitaler Lesegeräte. Von immer größerer Bedeutung sind die Tablets, die vermehrt Verbreitung finden, für die es geeignete Programme oder Applikationen, Apps genannt, gibt, um auch elektronische Bücher zu lesen. Vermehrt reagiert nun der Markt auf die veränderten Gegebenheiten, und auch die deutschen Verlage haben die Möglichkei-ten entdeckt, die mit den E-Books einhergehen. Amazon bietet z. B. die Möglichkeit, bei der Suche nach Büchern die Verlage darauf hinzuweisen, wenn man ein bestimmtes Buch als E-Book haben möchte. Es gibt auch bereits einige Verlage, die ausschließlich digitalisierte Bücher verkaufen. Das Buch kann dann heruntergeladen werden und steht auf dem eigenen Gerät zur Verfügung.
KONZEPTE Im schulischen Bereich haben sich mehrere Schulbuchverlage zusammengeschlossen, um ein gemeinsames digitales Bücherregal zu schaffen. Apple hat dies für den Ipad bereits vorgemacht. Die Ansprüche der deutschen Verlage sind hoch, da sie Wert auf eine bestimmte Offenheit der digitalen Bücher legen. Verschiedene Verlage bieten vor allem Klassiker kostenlos an. Dies gilt für viele Sprachen, womit es möglich ist, Bücher in deutscher, italienischer, englischer oder französischer Sprache kostenlos für den Unterricht zu nutzen. Der Nachteil liegt darin, dass es reine Texte sind, kaum bis gar nicht bebildert und ganz in der klassischen Version. Die Palette reicht von Dante Alighieri über J. W. von Goethe teilweise bis in die Moderne. Mit der Einführung des E-Books entstanden neue Möglichkeiten der Nutzung von Büchern. Wer heute auf sein Gerät ein Buch herunterlädt, kann dies auch auf ein anderes Gerät laden, sei es nun der klassische PC oder auch ein Smartphone, auf dem die Publikation gelesen werden kann. Die Arbeit mit E-Books beschränkt sich nicht mehr auf Lesen; es gibt z. B. auch Möglichkei-ten, eigene Anmerkungen zu machen, Texte zu verknüpfen, Internetadressen zu verlinken und Markierungen vorzunehmen. Interessant wird es, wenn man auf verschiedenen Geräten arbeitet. Viele Anbieter haben die Lösung so gewählt, dass das Buch online verfügbar bleibt. Ist das Gerät mit dem Internet verbunden und wird das Programm geschlossen, werden alle selbst erstellten Informationen, die oben beschrieben wurden, online gestellt. Wenn ich nun ein anderes Gerät nutze und mein Buch öffne, stehen mir die verarbeiteten Passagen ganz aktuell zur Verfügung. Auch wird man darauf hingewiesen, wo man zuletzt gelesen oder gearbeitet hat.
ANSPRÜCHE E-Books erweitern das Repertoire an Möglichkeiten der Nutzung enorm und damit entsteht ein Mehrwert. Werden die Bücher nur als reine Texte verfügbar gemacht, stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, sich mit E-Books zu beschäftigen. Werden die Veröffentlichungen jedoch mit Filmen bzw. Filmausschnitten, Audiopassagen, Animationen usw. erweitert, bedeutet dies für die Lernenden, das man auch eher den verschiedenen Lerntypen gerecht werden kann. Auch die Möglichkeit, Inhalte zu annotieren, die online zur Verfügung stehen und jederzeit abrufbar sind, bietet neue Szenarien für den Unterricht. Interessant wird es, wenn es in Zukunft auch möglich sein wird, die eigenen Annotationen und Bearbeitungen für andere sichtbar zu machen. Tageszeitungen und Zeitschriften werden vermehrt auf den Geräten lesbar sein und stehen – bei entsprechendem Abonnement – auch für die Lernenden zur Verfügung. E-Books, egal ob auf einem E-Book-Reader, einem Tablet oder Smartphone, haben den großen Vorteil, dass sie fast nichts wiegen, womit auch die Schultaschen enorm an Gewicht verlieren und es keine Rolle mehr spielt, wie viele Bücher man hat. Tausende von Büchern können gespeichert werden, die Bibliothek verlagert sich auf das Gerät. Die Preise der Bücher haben erste kleine Reduzierungen erfahren, hier dürfte sich aber in nächster Zeit einiges tun. Somit werden Bücher in der einfachsten Variante sicher erheblich günstiger werden als gebundene Bücher. Aber damit ist noch nicht das Ende der Entwicklung erreicht. Wenn es derzeit auch noch etwas kompliziert ist, ein E-Book zu erstellen, gibt es bereits erste Programme, die es mit wenig Aufwand ermöglichen, selbst solche Bücher zu produzieren. Das ganze Verlagswesen wird eine markante Veränderung erfahren. Wer heute ein Buch veröffentlichen möchte, hat die Möglich-keit, es zu schreiben und auch zu veröffentlichen. Es gibt bereits die ersten Anbieter, die dieses Angebot machen. Ob sich dann ein solches Buch auch verkauft, entscheidet schlussendlich der Kunde und nicht ein Verlag. Damit einher geht sicher auch die Frage der Qualität, die sich auf neue Art stellt. Ausgehend von einer mündigen Kundschaft ist damit zu rechnen, dass diese marktregulierend wirkt. Um für den Unterricht gerüstet zu sein, empfiehlt es sich, einfach auf dem PC einen Reader wie Kindle oder auch andere zu installieren und schon einmal selbst Erfahrungen zu sammeln. Besonders interessant ist es dann auf Tablets oder ähnlichen Geräten.
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