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Angewandte Theaterpädagogik - größte Nutznießerin ist die Schule

Evaluationsergebnisse von drei abgeschlossenen Lehrgängen

1994 startete der erste Lehrgang für Angewandte Theaterpädagogik. Dr. Luis Benedikter vom Pädagogischen Institut in Bozen hatte gemeinsam mit Felix Rellstab, dem Schweizer Begründer der Theaterpädagogik, ein Konzept für einen zweijährigen, berufsbegleitenden Lehrgang entwickelt.
Zielsetzung war, den Teilnehmer/innen eine Qualifizierung zur Anwendung von Theater-Spiel und theaterpädagogischen Methoden zu vermitteln und Spielfähigkeit und Spielleiterkompetenz zu entwickeln. Die Teilnehmer/innen kamen aus verschiedenen Berufen: aus Kindergarten und Schule, aus dem Amateurtheater und aus dem Sozialbereich.
Nach Abschluss des dritten Lehrgangs im Mai 2000 wünschten die bisherigen Träger, das Pädagogische Institut, das Amt für Weiterbildung, der Südtiroler Theaterverband, die Evaluation der Ausbildung und der geleisteten Arbeit. Mit der Erhebung wurde das Institut "IDEe qualifizierung-Häfele KEG" betraut. Die Präsentation der Ergebnisse erfolgte am 15.Dezember 2000.
Befragt wurden Kursteilnehmer/innen und Auftraggeber/innen. Der Fragebogen für die Absolventinnen und Absolventen der ersten beiden Kurse bezog sich mehr auf die Anwendbarkeit des Gelernten, während die Teilnehmer/innen des dritten Kurses mehr zu inhaltlichen Details und über die einzelnen Referenten befragt wurden. Bei ähnlicher Fragestellung weichen die Aussagen nur unwesentlich voneinander ab, weshalb in dieser Zusammenfassung auch keine Differenzierung zwischen den einzelnen Lehrgängen erfolgt.
Der gesamte Evaluationsbericht umfasst 75 Seiten, im Folgenden werden die interessantesten Aussagen wiedergegeben

Können Sie die im Lehrgang erlernten Inhalte nutzen?
  • persönlich: 92% ja, 8% es geht
  • beruflich: 92% ja, 4% es geht, 4% nein
Welche Teile können Sie besonders gut nutzen?

Eigentlich fast alles, Improvisationsmethoden, praktische Übungen und Beispiele, theoretischer Hintergrund, Selbsterfahrung, Körperbewusstsein, gruppendynamische Spiele, Wahrnehmung und Erinnerung, Erfahrungen bei Durchführung der Projekte etc.

Ergab sich durch den Lehrgang eine berufliche Neu- oder Umorientierung?
  • ja 64%, nein 36%

Während zu Beginn der ersten beiden Lehrgänge nur 5 Teilnehmer/-innen ihre Theaterkenntnisse hauptberuflich eingesetzt haben und 7 Personen gar nicht, waren es am Ende 20 hauptberuflich Tätige und es gab niemanden, der seine Kenntnisse gar nicht einsetzte.

Größte Nutznießerin der Lehrgänge ist die Schule. Zu Beginn der ersten beiden Lehrgänge geben 8 Personen hier ihren Tätigkeitsbereich an, am Ende sind es 20. Diese Zahlen beinhalten den 3.Lehrgang nicht, es ist aber anzunehmen, dass die Tendenz anhält und sich wahrscheinlich noch mehr zu Gunsten der Schule entwickelt.

Als besondere Schwerpunkte beurteilten die Teilnehmer/innen

  • Mit anderen in Interaktion treten: gut 92%, mittel 8%
  • Handeln: gut 100%
  • Situation und Figur: gut 77%, mittel 23%
Welche Themen hätten Sie sich zusätzlich gewünscht?

Mehr Sprecherziehung, mehr Singen, mehr Szenenarbeit.

Auch die Rückmeldungen der Auftraggeber sind sehr positiv.
Mehr als 60% stellen neue Impulse für ihre Organisation durch die Theaterpädagogik fest. Drei Viertel der Arbeitgeber/innen schätzt die Bedeutung des Lehrganges für die Theaterpraxis in Südtirol als "hoch" ein.

Bewertung des Lehrganges
Nach der 5-teiligen Skala von sehr gut bis nicht genügend urteilen
61,5% der Teilnehmer/-inner mit sehr gut, 38,5% mit gut

Kommentar der Evaluatoren
"Dies entspricht einer durchschnittlichen Bewertung von 1,4 (nach österreichischer Benotung, Anm. d. Verf.). Diese Bewertung ist für einen Lehrgang dieser Art auf Grund unserer Erfahrung als ausgezeichnet anzusehen!"

Die Ergebnisse der Evaluation werden bei der Erstellung des Konzepts für den 4. Lehrgang berücksichtigt.

Das Südtiroler Ausbildungsmodell ist beschrieben in:
Felix Rellstab, Handbuch Theaterspielen, Band 4 Theaterpädagogik, Verlag Stutz Druck AG, CH-8820 Wädenswill

 
Christl Widmann
 


© Pädagogisches Institut Bozen
Zuletzt aktualisiert am 13.06.2007