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Mit Schülern Schule und Unterricht entwickeln

Mit Schülern Unterricht und Schule entwickeln. Vermittlungsmethoden und Unterrichtsthemen für die Sekundarstufe I. Hrsg. von Wolfgang Böttcher und Elmar Philipp. Weinheim-Basel: Beltz 2000. ISBN 3-407-62432-8

Das Dilemma des Buches drückt sich schon in der Diskrepanz zwischen Titel und Untertitel aus. Während der Titel die Erwartungen in Richtung Beteiligung von Schülern an Schulentwicklung lenkt, verspricht der Untertitel Konkretes für die Unterrichtsgestaltung, und das eingegrenzt auf eine Schulstufe, die Sekundarstufe I.

In den deutlich auf Schulentwicklung ausgerichteten Beiträgen von Sabine Müller (Evaluation von Unterricht), Michael Schratz und Ulrike Löffler-Anzböck (Fotoevaluation als Chance) und Karl-Oswald Bauer (Teamentwicklung) spielt die Schulstufe dann tatsächlich keine Rolle mehr. Evaluation und Teamentwicklung sind Themen für alle Schulstufen. Die Beiträge zeigen deutlich, dass es möglich und wichtig ist, Schüler und Schülerinnen einzubeziehen.

Ein zweiter Teil von Beiträgen befasst sich mit Themen, die Schüler und Schülerinnen ansprechen und einer Schule ein bestimmtes Profil geben können:

  • Koedukation (Maria Anna Kreienbaum),
  • Gesundheitsförderung (Siegfried Seeger),
  • neue Leistungsbewertung (Felix Winter),
  • Einsatz von Zukunftswerkstatt im Unterricht (Norbert R. Müller),
  • Beratung und Kommunikation (Dieter Kulikowsky-Valentin).

In allen diesen Beiträgen fehlt mir jener Teil, der der Frage nachgeht, wie man die Beschäftigung mit diesen Themen von der Ebene "einzelner Lehrer" oder "einzelner Klassen" zur Ebene "gesamte Schule" heben und damit zur Schulenwicklung machen kann.

Diese Frage beantwortet nur Heinz Klippert in seinem Beitrag "Neue Wege des Lehrens und Lernens", indem er den Bogen von den Lernmethoden zur pädagogischen Schulentwicklung spannt. Methodentraining mit Schülerinnen und Schüler und die Reflexion ihrer Lernstrategien ist die Grundlage für die Unterrichtsentwicklung. Und systematische Unterrichtsentwicklung, bei der möglichst viele Schüler/innen, Lehrer/innen, Eltern und die Schulleitung einbezogen sind, beinhaltet die Chance, die gesamte Schule zu verändern und aus ihr tatsächlich ein Haus des Lernens zu schaffen.

Beim ersten Durchblättern suchte ich vergeblich nach einem Beitrag, der einen Überblick über die Thematik und einen Rahmen für die folgenden Beiträge bieten würde. Beim Vertiefen in das Buch wurde mir klar, dass hier einzelne Mosaiksteine zusammengetragen und aufgeklebt wurden. Wegen der Komplexität des Themas ergeben die Mosaiksteine noch kein einheitliches Bild, das einen Rahmen gestattet hätte. Das entstandenen Bild ist nicht nur nach außen hin für Ergänzungen offen, sondern lässt auch im Kern noch zahlreiche Möglichkeiten zur Ausgestaltung offen. Deshalb werden wir uns mit diesem Thema weiterhin beschäftigen müssen.

Rudolf Meraner


© Pädagogisches Institut Bozen
Zuletzt aktualisiert am 11.06.2007