Gong – das Spiel beginnt!

   
   
 

 

 

Gong – das Spiel beginnt! Jeux Dramatiques. Ausdrucksspiel aus dem Erleben. Hrsg. von Veronika Hafner und Christine Pranter. Bozen: Pädagogisches Institut 2006. – 88 S.

Wenn aus einem Stück Goldband je nach Bedarf eine Engelslocke oder eine Königskrone wird, wenn Tücher verzaubern, wenn Kinder sich selbst ihre Rolle auswählen und ihren Spielplatz gestalten – dann sind das Blitzlichter von Autorinnen aus der neuesten Publikation des Pädagogischen Instituts, die in die faszinierende Welt des Ausdrucksspiels aus dem Erleben einführen .

 

Bereits auf Seite 8 weist uns Elisabeth Rüdisser auf das besondere Grundbedürfnis des Menschen nach Ausdruck vom ersten Augenblick des Lebens an hin:

„Wir senden Impulse in die Welt und erleben uns durch die Antwort, die auf diese Impulse erfolgt, erneut im Spiegel der Welt und umgekehrt“.

Bei den Jeux Dramatiques handelt es sich um eine freie Art des Theaterspielens, eine Ausdrucksmöglichkeit inneren Erlebens und um einen Prozess, durch den Bedürfnisse, persönliche Eigenheiten, Vorlieben und Abneigungen, Entwicklungsschritte und Lebensstufen sichtbar und bewusst werden.

"Das Ausdrucksspiel aus dem Erleben belebt und unterstützt emotionale und soziale Kompetenzen, fördert die nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten und gibt durch die Vor- und Nachgespräche auch der verbalen Kommunikation ausreichend Raum (Veronika Hafner, Seite 6)."

Mit dieser aktuellen Publikation des Pädagogischen Instituts ist den Herausgeberinnen Veronika Hafner und Christine Pranter ein ästhetischer Zauber, ein praxisnaher und theoretisch fundierter Projektbericht gelungen.

Das Ausdrucksspiel beginnt mit einem Gongschlag – ein Gong eröffnet auch den Einstieg in die Publikation . Wir erfahren, dass sich die Publikation aus dem stufenübergreifenden Jeux Dramatiques-Lehrgang heraus entwickelt hat, dementsprechend kommen auch die Teilnehmerinnen aus Kindergarten, Grund- und Mittelschule zu Wort und bringen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse ein.

 

Perspektiven eines Bildungsangebots

Die Publikation öffnet Fenster zu den Jeux Dramatiques in Österreich, der Schweiz und in Deutschland. Heidi Frei prägte die Geschichte der Jeux Dramatiques entscheidend mit, an ihrer Seite unter anderen Myrtha Frei.

Eva Peter -Moosig berichtet über Ausdrucksspiele mit Familien, Andrea Weiß zeigt Zusammenhänge zwischen Jeux Dramatiques und Ausdruckstanz auf.

Marion Seidl-Hofbauer schreibt über die Kraft des Spielflusses und über die Bedeutung klarer Strukturen im Spielaufbau: Alles beginnt mit einem Impuls durch ein Bilderbuch, einen literarischen oder geschichtlichen Text, ein Bild oder ein Musikstück.

Darauf folgen die Rollenwahl der Spielenden oder Zuschauenden nach freier Entscheidung, die Spielplatzgestaltung, das eigentliche Spiel sowie das Nachgespräch.

Konkrete Anregungen für Kindergarten und Schule

Sehr anschaulich werden die Beispiele für Spieleinheiten von Marion Vedovelli sowie von Heidi und Myrtha Frei präsentiert. Es sind anregende und belebende, kreative Impulse für die Praxis, darunter: Auf leisen Pfoten, Vom Geben und Nehmen, Die Königin der Farben, Der geheimnisvolle Ritter Namenlos, Was der Morgenwind erzählt, Wo holt sich die Erde die himmlischen Kleider?

Eine Materialsammlung mit Tüchern, Krimskams, Instrumenten und eine Sammlung von Bilderbüchern und Geschichten, die zum Spielen geeignet sind, werden von Christine Pranter vorgestellt. Schließlich rundet die Vorstellung von Fachliteratur durch Bernd Reinhoffer die Publikation ab.

Eine rundum gelungene Publikation, die mit den vielen Anregungen in Kindergärten und Schulen Kreise ziehen möge. Im wahrsten Sinne des Wortes. Lassen Sie sich von Tüchern, Klängen, Geschichten und Spielideen verzaubern. „Gong – das Spiel beginnt!“

 

Ruth Oberrauch