Autonomie &
Schulentwicklung
   
  Kindergarten
   
   
Neue Medien
  Überblick
   
   
Umwelterziehung
  Ecocultur
Yomag.net
   


 

Neue Medien im Kindergarten
  

Ausgehend von der Annahme, dass viele Kleinkinder bereits im Elternhaus auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Computer in Kontakt kommen, hat sich der Kindergarten St. Peter in Lana vor zwei Jahren an ein neues Projekt gewagt, das sich mit den Neuen Medien im Kindergarten beschäftigt. Das Pädagogische Institut begleitet dieses Projekt.

Kernpunkte des Projektes bildeten folgende Fragen:

Macht es Sinn, dass Kinder bereits im Kindergartenalter mit dem Computer arbeiten?
Wenn ja, wie müssen die Rahmenbedingungen sein?
Welche Software ist für diese Altersgruppe sinnvoll?

Ist Computer was für Kindergartenkinder?

Eine Gruppe im Kindergarten erhielt von der Gemeinde Lana einen Computer mit Drucker zur Verfügung gestellt. In dieser Gruppe gab es eine Betreuerin, die die Begleitung – auch technisch – übernahm und mit den Kindern gezielt arbeitete. Das Gerät sollte allem einem Kind mit besonderem Förderbedarf zur Verfügung stehen. Darüber hinaus wurde die Möglichkeit geschaffen, dass auch alle anderen Kinder der Gruppe damit arbeiten konnten.

Als Programme wurden

  • "Ani…Paint“ – ein kreatives Zeichen-Animationsprogramm,
  • „Mein erstes Lexikon“ und
  • „Zählen und Ordnen“

eingesetzt.

Andere Gruppen des Kindergartens waren in dieses Projekt nicht eingebunden.

Ein Versuch wird gestartet

In der ersten Phase kamen die Kinder zum Zug, die im darauffolgenden Herbst die Schule besuchen sollten. Sie wurden von der Leiterin des Projektes, Wally Paris, in das Programm „Ani…Paint“ eingeführt.

Die Kinder erlernten den Umgang mit der PC-Maus, das Starten des Programms. Auf diese Weise erstellten sie erste eigene Produkte und führten sie auch vor. Schließlich konnten die Kleinen ihre Produkte ausdrucken und mitnehmen. Nach dieser Einführung wurden die beiden anderen Programme erlernt und schließlich konnten alle Fünfjährigen die notwendigen Schritte zur Bedienung der Programme.
In der zweiten Phase wurden auch die Vierjährigen an das Gerät herangeführt, da sie unbedingt mitmachen wollten. Dabei waren die älteren Kinder, die es bereits konnten, ihre Tutoren. Es konnte kein gravierender Unterschied zur Arbeitsweise der größeren Kinder festgestellt werden. Es gab Kinder, die mehr Interesse zeigten, andere interessierten sich kaum und dem wurde Rechnung getragen – kein Kind musste mit dem Computer arbeiten.

Die Kleinsten in der Gruppe wurden nicht mit in das Projekt genommen, da sie bereits mit dem Maushandling große Probleme hatten; die Auge-Hand-Koordination ist hier noch zu schwierig.


Das Gerät stand von acht bis zehn Uhr in der Zeit des Freispiels zur Verfügung. Die übrige Zeit wurde das Gerät ausgeschaltet.

... und macht Schule

Das Projekt wird seit zwei Jahre durchgeführt, wobei die Kindergärtnerinnen nach eigenem Interesse entscheiden konnten, ob sie mitmachen wollten oder nicht. Die Hauptverantwortung lag bei der Betreuerin Wally Paris. Somit war es nicht notwendig, dass alle in der Gruppe mitmachten.

In diesem Jahr möchte man im Kindergarten St. Peter in Lana auf Grund der gemachten Erfahrungen einen so genannten Tablet-PC ankaufen. Dieses Gerät ist auf Grund seiner einfachen Handhabung für die Kinder sehr geeignet, weil er intuitives und spontanes Handeln zulässt. Die Kinder können mit einem Stift direkt auf dem Bildschirm arbeiten. Gleichzeitig wird der Versuch in diesem Jahr auch auf andere Gruppen des Kindergartens ausgedehnt. Ein ähnliches Projekt wird in zahlreichen Kindergärten in Berlin mit großem Erfolg durchgeführt.

Ein weiteres Projekt läuft seit einem Jahr im Kindergarten Montan, wo die beteiligte Gruppe sehr viel in Eigenregie organisierte und durchführte.

Dem Alltag Rechnung tragen

Ziel dieser Projekte ist es, ein zusätzliches Angebot zu schaffen und anzubieten. Ein Angebot, das im Elternhaus vieler Kinder bereits existiert. Kein Kind muss und darf über eine festgelegte Zeit hinaus am Computer arbeiten.

Wichtig erscheint mir als Begleiter des Projektes, dass es dieses Angebot im Gruppenraum des Kindergartens gibt und nicht in einem eigens dafür vorgesehenen Raum. Auf diese Weise wird der Computer als selbstverständlicher Bestandteil im Zusammenleben der Gruppe und nicht als etwas Besonderes erlebt. Es ist jedoch sehr wohl denkbar, dass ein Gerät für mehrere Gruppen zum Beispiel in Gemeinschaftsräumen oder auch in den didaktisch genutzten Gängen steht.

Kinder haben einen intuitiven Zugang zur Arbeit am Computer, sie erfassen viele Dinge anders, manchmal auch schneller als wir Erwachsene. Unsere Aufgabe muss es sein, den Kindern Medienkompetenz, also eine sinnvolle und kritische Nutzung der Medien, zu vermitteln.

Christian Laner


© Pädagogisches Institut Bozen
Zuletzt aktualisiert am 11.06.2007