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Für viele waren die Ergebnisse Südtirols in der Pisa-Studie überraschend.
Da nicht alle wissen, wie eine solche internationale Untersuchung
abläuft, sollen im Folgenden einige Informationen zum Aufbau
und zur Durchführung dieser weltweiten Leistungserhebung gegeben
werden.
Stichprobe in Südtirol
wie für einen Staat
Für PISA 2003 haben verschiedene Staaten – unter anderem
auch Italien – einzelnen Ländern, Regionen und Provinzen
die Möglichkeit eingeräumt, sich mit eigenen vollwertigen
Stichproben zu beteiligen. In diesem Sinne ist PISA auch
in Südtirol durchgeführt worden. Südtirol konnte
sich im gleichen Umfang wie ein selbstständiger Staat an PISA
beteiligen, das heißt, die Stichprobe wurde so ausgewählt,
dass sie für das Land repräsentativ ist. Damit sind die
Ergebnisse Südtirols durchaus vergleichbar mit jenen anderer
Länder, sodass sie von der OECD im Anhang B2 des internationalen
Handbuchs veröffentlicht wurden.
Die Aussagen, die Ergebnisse Südtirols seien nur als Teilergebnisse
von Italien zu verstehen und seien also Spitzenwerte und nicht
Durchschnittswerte, entbehren jeder Grundlage. Die in Südtirol
erzielten Ergebnisse sind die Durchschnittswerte für
alle an der Untersuchung beteiligten Schüler und Schülerinnen.
Das bedeutet, dass es selbstverständlich
auch in Südtirol Schulen, Täler oder Bezirke gibt, die
Ergebnisse über dem Südtiroler Durchschnitt erzielen.
Ein Vergleich der Daten aus Südtirol mit jenen aus Finnland, Österreich
oder Italien ist also nicht nur möglich, sondern entspricht
ganz der Zielsetzung der PISA-Studie.
Die Verantwortung für die gesamte Durchführung der
PISA-Studie in Südtirol lag beim nationalen
PISA-Zentrum in Frascati, welches jeden Schritt mit dem
internationalen Konsortium abgestimmt hat.

Die Population
Wie in allen an der PISA-Studie beteiligten Staaten
und Länder umfasste die Zielpopulation Schülerinnen
und Schüler, deren Alter zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen
15 Jahren und 3 Monaten bis 16 Jahren und 2 Monaten lag.
In Südtirol waren dies, wie in vielen Ländern, die
im Jahre 1987 geborenen Jugendlichen.
Diese Altersgruppe ist in den meisten OECD-Ländern am Ende ihrer Pflichtschulzeit.
In Südtirol haben die Jugendlichen in diesem Alter die Pflichtschule
aber bereits abgeschlossen, was für die Erhebung einige Probleme bereitete.
In die Zielpopulation fallen – laut Definition
des internationalen Konsortiums – alle Jugendlichen, die
im genannten Alter noch eine
Schule besuchen. Ausgeklammert sind deshalb die 15-Jährigen,
die nicht mehr zur Schule gehen.
In Italien sind
nur die staatlichen und die staatlich anerkannten Schulen berücksichtigt
worden, sodass alle Schüler und Schülerinnen, die die
Schulpflicht erfüllt haben, nicht mehr zur Schule gehen
oder als Lehrlinge arbeiten und Kurse im Rahmen der regionalen
Berufsausbildung besuchen, nicht zur Zielpopulation „Schüler
und Schülerinnen“ gezählt wurden.
Für die deutsche Schule in Südtirol
kam dies nicht in Frage und die Ergebnisse wären verfälscht
worden, da es in Südtirol ein ausgebautes Netz von Berufschulen gibt,
die Vollzeitkurse anbieten
und in jedem Falle als „Schulen“ zu betrachten sind.
Deshalb wurde Wert darauf gelegt, dass sich auch
die deutsche und ladinische Berufsbildung mit den Vollzeitkursen
an der PISA-Studie beteiligt.
Trotz der Beteiligung der deutschen und ladinischen
Berufsbildung an der PISA-Studie ist der Anteil der Jugendlichen,
die nicht als „Schüler“ definiert wurden, relativ
hoch, vor allem im Vergleich zu den Ländern, in denen die
Jugendlichen dieser Altersstufe noch die Pflichtschule besuchen.
Es bleibt aber festzuhalten, dass Südtirol
alle Erfordernisse der OECD erfüllt hat und dass die deutsche
Schule in Südtirol auf Spitzenpositionen innerhalb der beteiligten
Staaten und Länder bleibt, auch wenn berücksichtigt
wird, dass die Lehrlinge in die Untersuchung nicht miteinbezogen
waren.

Ausschlüsse
von Schulen, Schülern und Schülerinnen
Um die Vergleichbarkeit hoch zu halten, wurden
strenge Kriterien angewandt, die den Ausschluss von Schulen und
von Schülerinnen und Schülern regeln. Gleichzeitig
wurde eine Mindest-Rücklaufquote festgelegt. In Südtirol
sind die Kriterien ohne Probleme eingehalten worden.
Die Ziehung der Stichprobe
Die Stichprobenziehung für Südtirol erfolgte
nach dem Konzept der zweistufigen
geschichteten Stichprobe. Sie erfolgte durch das Westat
in Houston (USA). In einem ersten Schritt wurden dem Westat über
das INValSI alle deutschen
und italienischen Schulen sowie jene der deutschen und ladinischen
Berufsbildung gemeldet, die von 15- bis 16-Jährigen besucht
werden.
Die Auslosung
der Schulen erfolgte aufgrund von Schichten, so dass
gewährleistet wurde, dass
in einem ihrem Verhältnis entsprechenden Anteil
in der Stichprobe vertreten waren. Ebenso musste gewährleistet
werden, dass anteilsmäßig kleine, mittlere und große
Schulen sowie staatliche und staatlich anerkannte Schulen vertreten
waren.
In Übereinstimmung mit der Vorgangsweise
in Italien wurden in Südtirol jene Schulen, die in einer
Direktion unterschiedliche Oberschultypen (zum Beispiel Realgymnasium
und Handelsoberschule) umfassten, als getrennte Schulen betrachtet.
In einem zweiten Schritt erstellen die ausgelosten
Schulen im Dezember 2002 eine Liste aller Schülerinnen und
Schüler, die im Jahr 1987 geboren sind und schickten diese
an das nationale PISA-Zentrum am INVaLSI, welches die Listen
an das Westat weiterleitete. Dort wurden die Schülerinnen
und Schüler ausgelost.
In Schulen mit mehr als 35 Schülerinnen und
Schülern des Jahrgangs 1987 wurden 35 Jugendliche ausgelost,
in Schulen mit weniger als 35 Schülerinnen und Schülern
wurden alle Jugendlichen in die Stichprobe einbezogen.

Die Durchführung
der Tests
An der deutschen Schule wurden die Tests zwischen
dem 2. und 15. April 2003 durchgeführt. 1.318 Schülerinnen
und Schüler wurden für den Test ausgelost. 1.264
Schüler und Schülerinnen haben am Test teilgenommen.
Mit 96,13% ist die Quote
der effektiven Beteiligung sehr hoch und liegt weit über
dem internationalen Durchschnitt und über jenem, den die
OECD als Mindestteilnahme gefordert hat.
Quailty-Monitoring
Die Tests sind überall reibungslos verlaufen.
An 10% der beteiligten Schulen fand ein Quality-Monitoring statt.
Im Auftrag der OECD hat eine Person die Durchführung der
Tests an einigen, zufällig ausgewählten Schulen während
des gesamten Verlaufs (Vorbereitung der Tests, Durchführung,
Abschluss und Verpacken der Testhefte) überprüft.
Die Eingabe und Auswertung
der Daten
Die Daten der Testhefte und der Fragebögen
für die Schülerinnen und Schüler sowie der Fragebögen
für die Direktoren und Direktorinnen sind am PISA-Zentrum
in Salzburg erfasst worden. Von dort wurden sie ins italienische
PISA-Zentrum nach Frascati weitergeleitet, wo sie überprüft
wurden. Die Daten wurden dann an das ACER (Australian
Council for Educational Research) in Australien weiter
geleitet, wo die PISA-Daten aller Länder gesammelt und bearbeitet
wurden.
Rudolf Meraner
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