Augustinus-Zitat

von Cuccarollo Laura  Rg. Brixen

 

Eine Welt voll Räuber

 

In einem Zitat aus seinem Werk „De civitate Dei“, vergleicht Aurelius Augustinus eine Räuberbande mit dem Staat bzw. umgekehrt. Er behauptet, man könnte eine Räuberbande mit einem kleinen Reich gleichstellen, da sie aus Menschen besteht ,von einem Herrscher regiert wird, von einem Gesellschaftsvertrag zusammengehalten wird, und die Beute nach vorher getroffener Übereinkunft geteilt wird.

 

Mit dieser Aussage hat er offensichtlich doch Recht! Ein Staat besteht aus einer Bevölkerung (im Zitat: die Schar der Menschen), bei manchen Staatsformen ist ein einziger Mensch da, der herrscht, wie zum Beispiel der König, den meisten Staaten liegt eine Verfassung oder zumindest Gesetze zugrunde (Gesellschaftsverträge), zuerst werden Gesetze verabschiedet, dann werden sie angewandt (es wird nach einer vorher getroffenen Übereinkunft gehandelt).

 

Es ist jedoch nicht ganz klar, ob die Räuberbande nun Wert ist, nachgeahmt zu werden oder nicht, ob sie einen idealen Staat darstellt oder einen Staat, gegenüber den man Abneigung zeigen soll.

In  der Erklärung des Zitates habe ich absichtlich betont, dass Augustinuns sowohl einen Staat mit einer Räuberbande vergleicht, als auch, dass er eine Räuberbande mit einem Staat vergleicht. Dies macht bei ihm einen großen Unterscheid aus. Man kann nämlich nicht deutlich herauslesen, wie die Räuberbande wirklich bewertet werden kann.

Zunächst vergleicht er einen ungerechten Staat mit einer Räuberbande. Also ist die Räuberbande eine ungerechte „Staatsform“. Dann aber, im zweiten Satz, wird die Räuberbande mit einem Reich verglichen. Diesem Reich schreibt er aber keine Attribute zu. Man weiß nicht ob er gerecht oder ungerecht ist.

Der erste Satz scheint nämlich paradox zum restlichen Text. Es scheint! Ob es wirklich so ist, dass muss zuerst überprüft werden. Wieso scheint es aber paradox? Er behauptet zunächst, in der Räuberbande gehe es ungerecht zu. Sobald er aber die Ähnlichkeiten mit dem Staat aufzählt, so scheinen (scheinen!), Merkmale eines gerechten Staates zu sein: das drücken vor allem der Gesellschaftsvertrag und die Verteilung der Beute, die aufgrund bereits ausgemachter Kriterien, erfolgt.

Um aber mit Sicherheit ausdrücken zu können, ob es sich um ein gerechtes oder ungerechtes Reich handelt, ob der erste Satz zum restlichen Text paradox ist, müssen wir die beschriebene Staatsform genau untersuchen.

 

 

Zunächst wird man als Leser vom Wort Räuberbande emotional beeinflusst. Unter Räuberbande stellt man sich natürlich etwas Negatives vor.

 

 Ist aber die Räuberbande tatsächlich etwas Negatives?

 

Wir können feststellen, dass Räuberbanden uns Schaden anrichten, dass sie Schrecken mit sich bringen. Das ist das Bild, das von einer solchen Vereinigung nach Außen hin abgegeben wird. Wie aber ein italienisches Sprichwort so schön sagt: L’abito non fa il monaco, so kann man von Außen niemals sagen, wie etwas wirklich ist. Das kann man auf einem Staat anwenden, indem man sich die Frage stellt: Ist die Außenpolitik gleich der Innenpolitik? Wir kennen genug Beispiele wo das nicht so war und ist.

Am Beispiel des Bolschewismus in der Sowjetunion ist  das erkennbar. Nachdem  Lenin gestorben war, stellte man sich die Frage, wer nun an die Spitze des Staates kommen sollte. Zwei Kandidaten gab es zur Auswahl: Stalin und Terenzky. Stalin wollte den Kommunismus nur in Russland behalten und Russland isolieren. Dadurch hätte der Kommunismus in Russland keine außenpolitischen Folgen gehabt. Terenzky wollte den Kommunismus nicht nur in Russland, sondern in ganz Europa, in der ganzen Welt. Wünschenswert scheint Stalin gewesen zu sein. Wir wissen aber auch, wie viel Schrecken er innenpolitische verbreitet hat, wie viel Blut aufgrund seiner  Politik vergossen worden ist. Außenpolitisch schien er wünschenswert, innenpolitisch war er eine Schreckgestalt.

Darum, wenn uns eine Räuberbande schlecht scheint, das was wir von Außen von ihr wahrnehmen, schlecht ist, so ist sie im Inneren nicht unbedingt schlecht. Kant selbst hat behauptet, jedes Ding hätte ein eigenes Wesen, wir aber würden nur das wahrnehmen, wozu unser Gehirn konstruiert ist. Wir können nicht wissen, wie das Ding an sich wirklich ist. Die Sinne können uns nur a posteriorische Erfahrungen liefern.

Kant hat auch von einer Räuberbande gesprochen, und zwar hat er behauptet, jeder Mensch besitze eine Vernunft, die ihm sagt, was gut und was schlecht ist. Darum könnten auch Räuberbanden gut zusammenleben, wie in einem Staat. Nach Kants Aussage würde also Augustinus’ Räuberbande eine gute Form von Zusammenleben sein, eben schon darum, weil sie eine Räuberbande ist, und sich im Inneren logischerweise richtig konstruiert.

Hegel war anderer Meinung als Kant, und hat behauptet, in jedem Staat bräuchte man Gesetze. Man  bräuchte eine Verfassung, die von  den  Bürgern aufgestellt wird, damit alle zufrieden sind und sich alle freiwillig daran halten. Die Räuberbande des Zitates hat einen Gesellschaftsvertrag und die Beute wird so aufgeteilt, wie im Vornherein ausgemacht worden ist. Also wieder eine Begründung, dass die Räuberbande kein schlechtes Reich ist.

Jan-Jacques Russeau hat auch den „Contrat Social“ plädiert. Nichts anders als den Gesellschaftsertrag der behandelten Räuberbande.

Wer sagt uns übrigens, dass eine Räuberbande wirklich schlecht ist. Der Staat hat vorgegeben, was man tun soll und was man nicht tun soll. Wenn aber die Räuberbande richtig liegt und der Staat falsch, so ist es eigentlich nur eine subjektive Annahme, dass eine Bande von Räubern schlecht ist. Die emotionale Annahme, von der wir gestartet sind, kann also widerlegt werden.  Die Räuberbande kann also mit gleicher Wahrscheinlichkeit ein gutes Reich als auch ein schlechtes Reich sein. Die Antwort hängt dabei nicht von der Räuberbande selbst hat, sondern von der Staatsform, die sie vertritt.

 

Ich habe nun oft den Begriff gut oder schlecht verwendet. Diese Begriffe könnte man durch gerecht und ungerecht ersetzen. Es könnte nun die Frage auftreten, ob Gerechtigkeit immer gut ist, oder nicht. Wir Menschen der westlichen Welt wissen genau, dass es ungerecht ist, dass andere hungern und verhungern müssen, während wir uns die Bäuche voll stopfen und uns damit sogar noch krank machen. Wir möchten aber sicherlich nicht, dass die Welt gerechter wäre, auch wenn wir groß so reden. Wir müssten nämlich damit auf so vieles verzichten, und dass möchten wir, wenn wir ehrlich sind, natürlich nicht. Auf diese Frage aber möchte ich nicht näher eingehen. Ich nehme dabei an, dass Gerechtigkeit als ein positiver Wert gewertet werden kann.

Die Frage, die aber unbedingt behandelt werden muss ist:

 

Was ist Gerechtigkeit?

 

So oft wie kein anderes Wort fällt das Wort Gerechtigkeit, und zwar in der Aussage: „ Das war ungerecht!“ In der Schule, am Arbeitsplatz, gegenüber dem Schicksal... doch vielleicht überlegen die Menschen nicht, was sie eigentlich damit sagen.

Es gibt zwei Formen von Gerechtigkeit, die voneinander unterschieden werden müssen:

es gibt die rationale (objektive) Gerechtigkeit und die emotionale (subjektive) Gerechtigkeit.

Die Vernunft, ganz rational gedacht, besagt, dass Gerechtigkeit dann vorhanden ist, wenn alle gleich behandelt werden. Wenn eine Gesellschaft objektiv gesehen gerecht behandelt wird (angenommen das ist möglich), so fühlt sich jeder, der Teil dieser Gesellschaft ist, wirklich gerecht behandelt. Selber sieht man das natürlich ganz subjektiv. Wenn die Behandlung den eigenen Vorstellungen entspricht, oder sogar besser ist, so fühlt man sich gerecht behandelt, sobald sie unsere Erwartungen enttäuscht, so  sprachen wir gleich von Ungerechtigkeit. Nehmen wir Beispiele aus unserem Alltag her. Ein Schüler wird seine Benotung dann als gerecht ansehen, wenn sie seinen Bemühungen entspricht. Wenn die Note tiefer ist als die erwartete, oder, aufgrund seiner Meinung verdienten, so spricht er von einem ungerechten Lehrer, obwohl der Lehrer vielleicht genau das bewertet hat, was auf dem Blatt Papier steht und nach ganz bestimmten Kriterien vorgegangen ist, damit sich die Benotung zum Verhältnis der Leistungen verhält.

 Ein anderes Beispiel ist der Tod. Wir pflegen manchmal zu behaupten, dass der Tod das Gerechteste auf der Welt gibt, denn alle sterben. Der Tod macht keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, zwischen intelligent und nicht intelligent, und trotzdem, wenn ein Mensch stirbt, hört man sehr oft die Aussage der Verwandten:“Das leben ist so ungerecht“.

Nach den Aussagen Descartes könnte man auch meinen, dass die Verteilung der Vernunft das gerechteste ist, was es gibt. Seiner  Meinung nach ist nämlich die Vernunft die bestverteilte Sache der Welt. Trotz dieser absolut gerechtesten Verteilung muss festgestellt werden, dass nicht in jedem Menschen die Vernunft gleich ausgeprägt ist. Die Ausprägung hängt vom Subjekt ab, von seiner Beschaffung und auch von seiner Umgebung. Also sehen wir wiederum, dass subjektive und objektive Gerechtigkeit nicht zusammenfallen. 

Also, Gerechtigkeit ist zweigespaltet. Wenn wir von einer objektiven Gerechtigkeit ausgehen, weil wir die Tatsache objektiv und ohne Einfluss unserer Erfahrungen und Einstellungen betrachten wollen, so stellt sich die Frage:

 

Gibt es die absolute Gerechtigkeit oder müssen wir uns mit einer relativen Gerechtigkeit zufrieden geben?

Kann eine Gesellschaft in ihrer Gesamtheit gerecht behandelt werden, oder betrifft das nur einzelne Menschen (wünschenswert die Mehrheit)?

 

Eine Idee von Gerechtigkeit hätten wir schon. Jeder müsste gleich behandelt werden. Ich bin aber überzeugt, dass, wenn ich mich nun auf Platon beziehe, die Gerechtigkeit in der intellegiblen Welt bleibt und unsere sensible Welt nur ein minimaler teil davon bekommt. Schon mit der Behauptung nämlich, alle müssen gleich behandelt werden, müsste ich ja angeben, aufgrund von welchen Kriterien die Gleichbehandlung erfolgt. Aufgrund von ihren Leistungen? von ihrem Einsatz? ...hängen jedoch die Leistungen vom Menschen selber ab, oder spielen vielleicht andere Faktoren, wie Vererbung und Erziehung eine Rolle, sodass der Mensch, wenn er gerecht behandelt werden soll, nicht aufgrund der Leistung behandelt wird. Kann ein psychisch kranker Mensch sich für etwas begeistern, sich für etwas einsetzen? Wenn er das nicht kann, und wenn die Krankheit nicht von ihm gewollt ist, so kann er aufgrund der Mühe behandelt werden? Welche Kriterien sollen gelten?

Wer würde diese Kriterien aufstellen? Menschen natürlich, die logischerweise von den eigenen Ansichten geblendet werde, von der „rosa Brille“, die jeder Mensch trägt beeinflusst werden, und wieder äußerst subjektiv handeln. Wir haben aber gesehen, dass die subjektiven Gerechtigkeit, nicht mit der objektiven gleichgesetzt werden kann.

 

 

Nun kann man sich die Frage stellen:

Welche Staatsform ist am gerechtesten?

Aufgrund der vorherigen Überlegungen, kann man behaupten, dass jener Staat am gerechtesten ist, in dem möglichst viel Menschen gerecht behandelt werden (da es nicht möglich ist, dass alle gerecht behandelt werden) und bei diesen Menschen die Kluft zwischen objektiver und subjektiver Gerechtigkeit möglich klein ist (da sie nicht verschwinden kann).

 

Die Staatsform der Räuberbande scheint eine konstitutionelle oder parlamentarische Monarchie zu sein (König, Vertrag, Abmachungen). Ist eine Monarchie jedoch gerecht. Man müsste untersuchen, wie viel Macht der Monarch hat. Wenn nämlich der Monarch nur sehr wenig Macht hat, so könnte man die Staatsform auch mit einer Demokratie beschreiben. Ich nehme aber an, dass der Monarch sehr viel Macht hat, also das Sagen bei ihm liegt, da es sich um eine Räuberbande handelt (denken wir an den Räuberhauptmann Moor im Drama „ Die Räuber“ von Schiller).

Eine Monarchie hat also einen Mann an der Spitze. Nehmen wir eine Utopie her, die eine solche Staatsform beschreibt: Macchiavellis „Principe“. Ein Herrscher ist da, er bestimmt was im Staat geschehen soll, und nur das ist seine Aufgabe. So müssen sich die Menschen nicht um die Politik kümmern und können sich mit Religion und Philosophie und andere Bereiche beschäftigen. Ein Mensch aber, ein einziger Mensch, entscheidet. Wir sind zur Schlussfolgerung gekommen, dass ein einziger Mensch nicht eine objektive Gerechtigkeit vertreten kann, überhaupt nur eine von ihm ausgehende subjektive Gerechtigkeit. Also kann ein Staat, von einem einzigen Menschen geleitet, nicht gerecht genug sein.

 

Wenn aber ein Herrscher genau wüsste, was die Menschen genau wünschen. Wenn er so wäre, dass er die subjektive Gerechtigkeit der Menschen kennen würde, und somit die Gerechtigkeit nicht nur objektiv wäre. Wenn dieser Herrscher fast so etwas wie eine mathematische Formel kennen würde, mit der er allen subjektiven Gerechtigkeitsbedürfnissen entgegenkommen könnte, so wäre das doch perfekt. Diese Idee hatte auch Comte. Er begründete die Soziologie und behauptete, es sollten Sozialingenieure die Staaten leiten. Ist das jedoch möglich? In seiner Zeit, wo die Wissenschaft allein den Wahrheitsanspruch hatte, wo der Positivismus die Gedanken prägte, schien das natürlich möglich. Die Zeit jedoch hat gezeigt, dass die Wissenschaft Grenzen hat, haben soll und muss, und dass das Verhalten des Menschen im wahrsten Sinn des Wortes unberechenbar ist.

 

Wie würde es aber sein, wenn jeder seiner eigenen Gerechtigkeit nachgehen würde, damit würden doch die meisten zufrieden sein? Oder nicht? Nietzsche spricht von einem Übermenschen, der sich von allem loslöst und sich seine eigene Welt der Werte bildet. Dadurch würde die Subjektive Gerechtigkeit zur Objektiven. Jedoch ist das auch keine gute Lösung, aus zwei verschiedenen Gründen:

Nietzsche selbst behauptet, dass der Übermensch im vergleich zu den „Kamelen“ das Leere spürt, erkennt, dass alles keinen Sinn hat, hat keine Hoffnungen, keinen Halt mehr. Also ist der Übermensch nicht glücklich, und eigentlich ist das Streben des Menschen glücklich zu sein.

Wenn jeder seinen Willen durchsetzen würde, seine Werte aufstellen würde, dann wäre die Staatsform eine Anarchie. Wir wissen, wie viel Schrecken die Anarchie in den 70er Jahren verbreitet hat, und dass es damit nicht möglich ist, einen Staat zu bilden, der in Frieden lebt. Denn obwohl Descartes behauptet, die Vernunft sei die bestverteilte Sache der Welt, und Kant mit seinem kategorischen Imperativ behauptet, der Mensch wisse in sich, was gut ist und was böse, man müsse es nur herauskommen lassen, und so auch Sokrates, mit der Behauptung, in jedem von uns steckt ein Daimonion, es sei aber nur unterdrückt und man müsse es durch die Meieutik herausholen, so ist es dennoch so, dass Hobbes Behauptung „homo hominis lupus“ und Schillers „das schlimmste jedoch, ist der Mensch in seinem Wahn“, sich in der Geschichte als wahrhaftiger gezeigt haben.

Man braucht also eine Ordnung, eine Führung.

 

Was ist, wann es also eine Führung braucht, und möglichst viele damit zufrieden sein sollen? Dann sollen die Menschen entscheiden, wer sie führen soll. Die Mehrheit gewinnt, also ist auch die Mehrheit zufrieden. Diese Staatsform ist eindeutig die Demokratie! Jedoch, die utopische Demokratie. Eine utopische Demokratie ist eine Demokratie, in der die Bevölkerung alleine auf die Führung (die aus mehreren Personen besteht) einen Einfluss hat, nicht wie heute, wo die Konzerne mehr zu sagen haben als die Bevölkerung.

Eine utopische Demokratie ist eine Demokratie, in der das Volk genau weiß, was auf ihn zukommen wird, in der alles was irgendwie mit dem Staat in Beziehung steht für die Bevölkerung transparent ist. Das ist aber leider nicht immer so. Nicht umsonst setzen sich Wittgestein und Russel so sehr dafür ein, dass die Sprache der Wissenschaft so übersetzt wird, dass sie mit Alltagsbegriffen ausgedrückt werden kann, damit dem Volk gesagt werden kann, was in der Wissenschaft geschieht, und damit es weis was auf es zukommt. Wir wissen aber, dass diese beiden Philosophen in diesem Versuch gescheitert sind und alles nur utopisch bleibt.

In der Demokratie ist  immerhin die Staatsform, in der die relative Gerechtigkeit am größten ist, und die Kluft zwischen subjektiver und objektiver Gerechtigkeit am kleinsten ist.

 

 

Aus diesen Überlegungen lässt sich nun manches schließen. Die Monarchie ist eine der ungerechtesten Staatsformen und somit auch die Räuberbande. Also ist der Staat, der mit einer Räuberbande verglichen wird ein sehr ungerechter Staat und nicht wünschenswert.

Es hat sich aber auch klar herausgestellt, dass keine Staatsform eindeutig gerecht sein kann, auch weil es nicht nur eine Gerechtigkeit gibt.

Die Demokratie ist die gerechteste, aber nicht absolut gerechte Form, da sie in ihrer idealen Form unmöglich erreichbar ist.

 

Wenn wir also auf Augustinus’ Zitat zurückgreifen, so müssen wir behaupten, dass alle Staaten Räuberbanden sind. Ist unsere Aussage berechtigt? Wir haben eine a priorische Schlussfolgerung gezogen, wie schaut das aber empirisch, also a posteriori in der Praxis aus?

Wenn wir unsere Staaten untersuchen, so müssen wir mit Entsetzen feststellen, dass es sich wirklich um Räuberbanden handelt. Nicht umsonst pflegt man im Italienischen die Aussage „Governo ladro“ (auch von Folgore in „La pioggia sul cappello“, mit der er eine starke Zeitkritik ausüben will, zitiert).

Erfahren wir nicht in der jetzigen Legislatur, die hoffentlich mit ihrem Ende dem Staat eine andere Richtung gibt, dass die Armen immer ärmer werden und dass die Reichen unterstützt werden? Ist das nicht Betrug und Diebstahl?

Unsere Staaten sind Räuberbanden und wir sind Teile davon, weil wir mitschwimmen, weil wir nicht selber nachdenken, weil wir nicht den Mut haben, uns dem Räuberhauptmann (der durch mehrere Personen verkörpert ist, sodass der monarchische Charakter versteckt wird) zu widersetzen, und es vielleicht auch nichts bringen würde, weil wir uns von ihm beeinflussen lassen.

Wer soll uns aber verhaften? Unser Idee von Gerechtigkeit? Wenn wir uns von dieser verhaften lassen, so wird uns das Leben so unangenehm, dass wir lieber Schopenhauers Rat folgen.

Darum, wir müssen lernen mit unserem Räuberdasein zu leben, und möglichst das Beste daraus zu machen, indem wir versuchen, trotz unserer Räuberbestimmung, menschliche, moralische Räuber zu sein.