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Autorenlesung
Die bekannte Jugendbuchautorin Martina Dierks präsentierte moderne Kurzgeschichten
Ort der Begegnung war die Bibliothek der Oberschule Sterzing. Den Schülerinnen und Schülern der 1a und 1b des Realgymnasiums las die Berliner Autorin zuerst „Jesse“ aus der Anthologie „Keiner hat was gesehen“ vor, eine sechs Seiten umfassende Kurzgeschichte, die von einer eigenwilligen und nicht einfachen Freundschaft zwischen zwei Jungen handelt. Der Ich-Erzähler wird von zwei Schlägern erpresst, aber Jesse scheint keine Angst zu haben. Später werden die beiden Freunde, gerade weil sie als Außenseiter gelten. Sie brauchen einander, um miteinander reden und in der rauen Welt bestehen zu können. Aber ein Vorfall bringt sie zunächst auseinander, da der Ich-Erzähler nicht ehrlich mit Jesse umgegangen ist. Der Schluss bleibt offen, was für eine Kurzgeschichte typisch ist. Gewalt an Schulen – körperliche wie seelische - , wie in dieser Geschichte dokumentiert, ist für Martina Dierks einer der Schreibanlässe, genauso wie die Probleme in der Pubertät, die erste Liebe, der Mut, eigenständig Entscheidungen zu treffen oder das Vertrauen in andere Menschen.
Die zweite Kurzgeschichte – „Süßes Blut“ aus dem Sammelband „Herzgeflüster Geschichten von der Liebe“ sprach mehr die Mädchen an. Es ist eine teils heitere Geschichte über die erste Liebe, teils aber auch eine nachdenkliche Story, die zuerst unglücklich ausgeht, dann aber zu einer neuen Freundschaft führt, Geschichten von Vierzehnjährigen vor dem geschichtlichen Hintergrund der stürmischen 60-er Jahre.
Die Schülerinnen und Schüler konnten Martina Dierks außerdem Fragen zu ihrem Schriftstellerdasein, zu Schreibanregungen und allgemein zum Literaturbebtrieb stellen. Martina Dierks ist stolz darauf, eine vielseitige Autorin zu sein, sie schreibt historische Romane („Zauber der Johannisnacht“), neben Jugendbüchern viele erfolgreiche Kinderbücher (u.a. „Siri, die Montagsfee“) und auch Kurzgeschichten für Erwachsene; demnächst möchte sie sich auch an ein Drehbuch (eventuell für einen „Tatort“) heranwagen.
Karla Wild
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