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Oberschulzentrum Sterzing |
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Geschichte einmal anders erfahren
Die Handelsoberschule Sterzing feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass sind mehrere Highlights geplant.
Werner Gschliesser organisierte vor kurzem im Auftrag der Schule den Themenschwerpunkt „Tirol und der Erste Weltkrieg". Er konnte dafür Oswald Überegger und Verena Gruber als Experten gewinnen. Schüler der Abschlussklassen des Realgymnasiums und der HOB sowie interessierte Lehrkräfte wurden mit den neuesten Forschungsergebnissen in Wort und Bild informiert.
Krieg der neuen Dimensionen Oswald Überegger, selbst einmal erfolgreicher Absolvent der ehemaligen Handelsschule und derzeit als Historiker am Institut für Geschichte und Ethnologie der Universität Innsbruck tätig, erforscht in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen den Ersten Weltkrieg. Er hat sich dabei auf einen neuen Schwerpunkt konzentriert, und zwar regional, auf Tirol und Norditalien bezogen. In den letzten Jahrzehnten wurde besonders die militärische Situation der Kiegsjahre 1914-1918 untersucht, nicht jedoch die zivile Lage in Tirol. Was machte den Mythos „Gebirgskrieg“ aus? War der Erste Weltkrieg tatsächlich ein Kampf heldenhafter Soldaten? Wie war das Leben hinter den Fronten? Wie erging es den Frauen und Kindern? Und wie den Kriegsflüchtlingen und Zivilinternierten? Auf alle Fragen versucht er eine plausible Antwort zu geben. In seinen Ausführungen verdeutlicht er, dass die Menschen des Wipptales rasch von den Kriegsereignissen betroffen waren. Mit dem Kriegseintritt Italiens auf der Seite der Alliierten am 23. Mai 1915 änderte sich nämlich auch für Tirol viel. Die Männer wurden rekrutiert, Dörfer und Städten wurden zusehends mehr entvölkert. Und die Frauen waren gezwungen, Männerarbeiten zu verrichten. Von Jahr zu Jahr verschlimmerte sich die Versorgungslage, worunter besonders die Bewohner von Franzensfeste litten. Rasch wurde deutlich, dass aus dem Augusterlebnis (1914) bittere Enttäuschung wurde. Oswald Überegger schloss mit den Hinweisen, dass der Erste Weltkrieg als „Krieg der neuen Dimensionen“ eine missliche Wirtschaftslage und traumatisierte Menschen zurückließ.
Kriegswelt im Film Verena Gruber, promovierte Historikerin und Fernsehjournalistin des ORF, stellte den Dokumentarfilm „Weltkrieg – Kriegswelt: Kriegsalltag in Tirol im Ersten Weltkrieg“ vor. Sie zeichnet für das Buch und die Regie verantwortlich. Sehr einfühlsam wird der Krieg im „Stillen“, hinter den Fronten, geschildert – die Musik, von Stefano Bernardi komponiert, bereichert um einiges mehr die Filmdokumentation. Und mit den Zeugenaussagen wird besonders deutlich, dass der Heldentod nicht das Einzige war, was zählte. Vielmehr gab man alles, um zu überleben. Und dafür mobilisierten sie oft ihre letzten Kräfte und wurden erfinderisch. Die Kinder strickten in ihrer Schulzeit Socken, Schals und Handschuhe für die Soldaten an der Front; die Frauen übernahmen die Männerberufe, arbeiteten als Schaffnerin oder Kaminkehrerin.
Bild: Verena Gruber mit Maturanten der Oberschule Sterzing
Objektive Darstellung des Überlebenskampfes Oswald Überegger und Verena Gruber geht es in ihrer Aufarbeitung von Geschichte weniger um Ursachen und Verlauf der kriegerischen Auseinandersetzungen, als vielmehr um die totale Einbeziehung des Menschen im Alpenraum, um den massiven Einsatz von Kriegspropaganda, um eine objektive Darstellung des Überlebenskampfes, der allerdings viele psychische Folgen hatte. Sie konnten die anwesenden Schüler und Lehrer davon überzeugen, dass der Erste Weltkrieg der erste moderne Krieg war, der auch im Wipptal im Besondern und in Tirol im Allgemeinen seine Spuren hinterließ, ein Krieg ungeheuren Ausmaßes, der u. a. den Untergang von drei Monarchien – in Russland, im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn – und die Teilung Tirols zur Folge hatte.
Carla Wild |
Bild: Historikerin und ORF-Fernsehjournalistin Dr. Verena Gruber
Bild: Historiker Dr. Oswald Überegger
Bild: Vizedirektor Kompatscher, Verena Gruber |
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