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Pädagogischer Tag im Schulsprengel Ulten

 

 

Am Montag, den 17. Oktober fand für die gesamte Schulgemeinschaft des SSP-Ulten (Lehrpersonen der Grund- und Mittelschulen, MitarbeiterInnen der Verwaltung, Schulwarte, Direktor Hansjörg Unterfrauner) der alljährliche „Pädagogische Tag“  statt. Unser gemeinsames Thema war „Kennst du deine Heimat Ulten?“ 
Im Tal befinden sich die vier Dörfer St. Pankraz, St. Walburg, St. Nikolaus und St. Gertraud. Die Fraktion St. Pankraz ist 1960, aus verschiedenen Gründen,  eine eigenständige Gemeinde geworden; sie besteht aus  1.600 EinwohnerInnen.  Die Gemeinde Ulten umfasst 3.000 BürgerInnen. Beide Gemeinden zählen zu den abwanderungsgefährdeten Gemeinden Südtirols. Die Gemeinde St. Pankraz wurde von dem Dorfchronisten Georg Gamper historisch beschrieben. Es  war interessant zu erfahren, dass der Name „Ulten“  rätoromanische Wurzeln hat, auch sind viele Flur- und Hofnamen rätischer Abstammung. Erste  Spuren von Jägern und Sammlerinnen, die über die Jöcher gezogen sind, hat man an den Selexsplitterfunden an Rastplätzen ausmachen können. Die erste nachweisbare Siedlung hat man am Kirchhügel von St. Walburg finden können, sie wird in der späten Bronzezeit datiert. Eine geologische Besonderheit stellt der Verlauf der Judikarienlinie  durchs Tal dar. Die Bürgermeisterin von Ulten, Dr. Beatrix Mairhofer, stellte die Gemeinde Ulten gemeindepolitisch vor  und der Altbürgermeister Anton Mairhofer erörterte die Geschichte des Schulwesens im Tal. Um den Kindern auf den Bergbauernhöfen lange Schulwege zu ersparen, gab es auf vielen Höfen und  in Gaststuben einzelne Klassen, in denen bis zu 50 Kinder unterrichtet wurden. Bauern bauten auf eigene Kosten „Schulen“, in denen Abteilungsunterricht gehalten wurde, d.h. es gab nur eine Klasse, in der Kinder verschiedener Altersstufen versammelt waren.  In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es in der Talgemeinschaft Ulten 16 Schulen. Die Kinder vom oberen Nörderberg mussten aber übers Platzerser Jöchl  in die Schule nach Platzers.  Schulwege von 1 bis 1,5 Stunden waren damals durchaus normal.
Nach den interessanten Referaten stellten uns acht Frauen von der „Schreibwerkstatt St. Walburg und St. Nikolaus“  einige ihrer literarischen Kostproben vor, die in der Sammlung „A Fenschtr aufgetou“  gebunden wurden. Diese Schreibwerkstatt wurde voriges Jahr vom Seniorenclub initiiert. Ehemalige Lehrerinnen, Bauerskinder, ledige Mütter erzählen ihre Lebensgeschichten und Erinnerungen vom damaligen Arbeitsalltag, dem arbeitsreichen, kargen Leben auf den Höfen, vom Einkaufen in den 50er Jahren und viele Frauengeschichten mehr. 
Der Vormittag wurde von einem gemeinsamen Mittagessen in der Schulmensa abgeschlossen, zu dem freundlicherweise die Gemeinde Ulten geladen hatte.  Am Nachmittag teilte sich das Plenum in verschiedene Arbeitsgruppen:  Die Forststation Ulten und der Nationalpark Stilfser Joch wurden von den Mitarbeitern der Forststation vorgestellt; von der Winterschule Ulten referierten Traudl und  Dr. Franziska Schwienbacher; das Projekt und die Verwirklichung des „Zoggler Stausees“ stellten Florian Mairhofer und Harald Gruber vor.
Der Name des Stausees  kommt von einem Hof dieses Namens, der in unmittelbarer Nähe der Staumauer stand. Das Bauernhaus musste dem Abflusskanal weichen, die Scheune hat das Stausee-Projekt überlebt. Bei einem Lokalaugenschein mit dem Vertreter des Bildungsausschusses Florian Mairhofer und Harald Gruber (der bei der Publikation „Zoggler Stausee in Ulten“, 2009, maßgebend  bei der Kartenarbeit beteiligt war) konnte man  sich anhand der Schautafeln und den Erklärungen vom  Ausmaß der landschaftlichen Katastrophe ein Bild machen. Neun Höfe versanken im  See, einige wurden verlegt, manche verloren ihre  besten Weideflächen. Ähnlich wie beim Reschen-See wurde auch hier von der italienischen Regierung mit hinterlistigen Methoden operiert, um ihr Vorhaben durchzusetzen. Einige der enteigneten  Bauern verließen die Heimat und wanderten ab, andere errichteten an neuer Stelle ihr Wohnhaus.
 Anhand eines 3-D-Modelles soll die ursprüngliche Situation im Ultner Talboden vor dem Bau des Stausees veranschaulicht werden, ein Internetportal soll vor allem für SchülerInnen den Werdegang dieses Projektes erläutern und ein historischer Film ist in Bearbeitung.  Außerdem sollen Wanderungen im Frühjahr, wenn der Wasserstand des Sees tief genug ist, auf dem alten Wegverlauf angeboten werden.
Einen herzlichen Dank an alle Beteiligten für diesen gelungenen Tag!

rv  vom SSP-Ulten

 

   

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